Die Reise zum Tanganyika Lake

Und hier ist er der Artikel zu unser wahnsinns Reise. Bilder habe ich schon reichlich hochgeladen, sie sind in der Galerie bestaunbar. Insgesamt ist der Artikel jetzt doch sehr lang geworden, aber manche Dinge müssen einfach genauer beschrieben werden, um unsere Situation richtig erklären zu können.

 

Man kann sich den Text ja auf mehrere Tage verteilen :)

 

Viel Spaß!

 

 

 

 

Unsere Reise fing... harmlos an. Sie überraschte uns im Laufe der Tage jedoch, indem sie uns zeigte welche enorme Steigerung in Richtung... harmvoll möglich ist.

 

Dieser Prozess ist eigentlich das Wesentliche unserer Reise und der Grund weshalb wir glauben letzten Endes einiges von ihr gelernt zu haben.

 

Nun genug geschwätzt - Tag 1:

 

Montag, 13.09, 5:52 (ca.)

Es ist dunkel, windig und kalt. Die Sonne wird erst so gegen 7 richtig da sein und unserem Bibbern ein Ende bereiten.

 

Wir stehen in Mbalizi an der Mainroad und warten auf den Bus. Tobi hat uns völlig unnötigerweise total gestresst, da ich ihm erst vor 2 min gesagt hatte, dass der Bus um 6 Uhr in Mbeya losfährt und nicht in Mbalizi – wir also noch Zeit haben. Ups ^^

 

Mit aktzeptablen 30 min Verspätung kommt der Bus, wir steigen ein, quetschen uns auf unsere Plätze und ab gehts! Die Straße bis nach Tunduma ist asphaltiert und wird daher mit konstanten

100 km/h überflogen, anfangs etwas schwindelerregend, da die Straße dann doch nicht einer deutschen Landstraße gleicht und wir zwischendurch immer wieder von diesen "Stoßdämpferkillern" in die Höhe katapultiert werden, doch – man gewöhnt sich dran (dieser Satz wird bestimmt noch öfters kommen).

 

Eine Stunde später in Tunduma, der Grenzstadt zu Sambia, hat sich der Bus inzwischen doch etwas gefüllt. Das heißt nicht, dass jetzt alle Sitzplätze belegt sind – nein, das waren sie auch schon in Mbalizi. Inzwischen ist auch der gesamte Gang voll mit Leuten die zwischendurch in irgendwelchen Käffern dazugestiegen sind, zwar keine Fahrkarte haben, aber als zahlende Passagiere natürlich trotzdem nicht abgewiesen werden.

 

Eine weitere Lektion – "europäisch voll" ist wirklich niemals "afrikanisch voll".

 

So sitzen wir also auf unseren Sitzen, der begehrte Gangplatz ist inzwischen nicht mehr so begehrt, da man von den Stehenden, welche aufpassen müssen, dass sie nicht umfallen, bedrängt wird und zudem das Risiko eingeht, von einem der unter den Arm gequetschten Hühner die Augen ausgepickt zu bekommen.

 

Wir sind in Tunduma und die Fahrt wird etwas abwechslungsreicher – was den Straßenbelag angeht. Dieser besteht nun nicht mehr aus langweilig ebenem Teer, sondern aus spannend unregelmäßigen Steinen. So sind wir dann doch sehr erleichtert, als wir nach 6h holpriger Fahrt Sumbawanga erreichen, unser Ziel für diesen Tag.

 

Der Vater eines Wenda-Schülers, Mr. Andrew, dessen Nummer wir von unserem Headmaster vermittelt bekommen hatten, zeigt uns dann auch gleich ein gutes Hotel, sodass wir uns ersteinmal in unsere Betten fallen lassen.

 

Tobi uns ich brechen dann jedoch noch einmal auf, um ein paar kleine Dinge einzukaufen und uns die Stadt anzugucken. Und oh Wunder wen treffen wir? Eine Weiße! Die zufällig unser Alter ist, auch aus Deutschland kommt und auch einen weltwärts-Freiwilligendienst macht. So klein ist die Welt.

 

Nein, eigentlich sogar noch kleiner, denn Yannick und Tristan, die zwei Freiwilligen, die in unserem Nachbarort dienen, sind just an diesem Abend bei den 3 Mädels und dem Jungen zum Abendessen eingeladen, das wir natürlich auch nicht verpassen dürfen, sodass sich eine sehr gesellige Runde ergibt.

 

Dienstag, 14.09

Unser Bus, der uns dann endlich zum See bringen sollte, fährt Gott sei Dank erst gegen Mittag los, wir können uns also ein wenig erholen. Die Fahrt gleicht der ersten, diesmal sind es jedoch nur 5,5h Ruckelpiste. Die Tickets für unsere Sitzplätze hatten wir uns schon am Tag vorher gekauft.

 

Diese ruckeligen Fahrten haben einen ganz ungewohnten Effekt auf mich (und ich glaube auf die beiden anderen auch): Normalerweise kann ich in Autos und Bussen wenn überhaupt nur sehr schlecht schlafen, selbst wenn ich sehr müde bin. Doch plötzlich in diesem wackelnden Sumry-Bus (so heißt die Buslinie) nicke ich weg, wie ein gestillter Säugling. Zwar wacht man ab und zu wieder auf, wenn einem der Kopf gegen die Fensterscheibe oder den Kopf vom Nebenmann knallt, aber an und für sich konnten wir alle drei gut schlafen. Ob das jetzt an der schweren Luft oder den wiegenden Bewegungen des Buses liegt, kann ich nicht sagen. Die Zeit verging auf jeden Fall schnell.

 

Ganz bis zum See schaffen wir es dann doch nicht, da der Bus nach Kirando fährt, wir aber nach Kipili wollen, da es im Reiseführer als "verträumtes, freundliches Fischerdorf" beschrieben wird. Wir steigen also an der Weggabelung aus und wollen uns für die 6 km bis zum See Fahrräder leihen. An sich eine gute Idee, nur die Einheimischen sind davon nicht zu überzeugen. Sie wollen uns nämlich lieber für umgerechnet 1,5 € auf dem Gepäckträger ihrer Fahrräder dorthinbringen. Diskussion zwecklos, also steigen wir auf. Die Armen müssen sich wegen der schlechten Räder und Straße ganzschön abstrampeln, aber auch ich habe am nächsten Tag Muskelkater vom Beine-Hochheben.

 

Immerhin kommen wir so noch rechtzeitig, um den See in der Abendsonne zu sehen und uns von der wunderschönen Stimmung gefangen nehmen zu lassen.

 

Nach einigen Verständigungsschwierigkeiten können wir dann sogar planmäßig in das "deutsche" Benediktinerhaus einquartiert werden, welches uns von Mr. Andrew empfohlen wurde. Zurecht: ein ordentliches Doppelzimmer kostet 3 € pro Nacht...

 

Der schüchterne ältere Hausherr, der sich in den nächsten Tagen trotz begrenzter Englischkenntnisse immer rührend um uns kümmern wird, schickt uns zum Abendessen einen einfachen, bergaufführenden Weg und nuschelte irgendwas von links. Wir maschieren also mutig und hungrig los, während gerade die Sonne unergeht. Nach 10 min sind wir dann tatsächlich auf der Spitze des Hügels angekommen, doch von Zivilisation keine Spur – Busch soweit man gucken kann. (Ausnahme der Sendemast auf der Spitze eines anderen Berges...). Und dann kommt eine Kreuzung, links in Richtung See geht ein kleinerer kaum genutzer Weg ab, den wir nach kurzem beraten einschlagen. Nachdem wir fast die ganze Höhe wieder bergab gegangen sind und der Weg eher kleiner als größer wird, entscheiden wir, dass es wohl doch nicht der richtige Weg gewesen sein kann und kehren wieder um. Während wir den Berg wieder hochschnaufen wird es stockdunkel, die Dämmerung dauert hier vielleicht eine halbe Stunde.

 

Wir torkeln also weiter, verlaufen uns nurnoch unwesentlich, indem wir zuerst die Staff-Häuser besuchen, werden von dort jedoch von einem netten Mann zur Lodge begleitet. Nachdem wir nun also endgültig am Ziel sind gönnen wir uns den Luxus eines westlichen Essens (auch wenn es schweineteuer ist) und genießen beim Lagerfeuer direkt am Seeufer kühle Getränke. Trotzdem sind wir anfangs irritiert, in der Lodge nun auf einmal so viele Weiße zu sehen und englisch sprechen zu hören – so mitten in der Pampa...

 

Mittwoch, 15.09

Jetzt gibts Urlaub: wir marschieren schon relativ früh morgens die halbe Stunde zur Lodge, um dort im kristallklaren Wasser baden zu gehen. Dabei bekommen wir mit, wie ein paar der Lodgegäste mit Kajaks aufbrechen, um schnorcheln zu gehen. Schnorcheln reizt uns nicht sonderbar. Doch mit Kajaks könnte man doch mal die umliegenden Inseln erkunden gehen! Wir können doch nicht bis nachmittags warten, sondern brechen gleich um 11 Uhr auf.

 

Die Sonne brennt, das Wasser hat angenehme 24°C, wir schießen mit unseren leichten Kajaks durch das glatte Wasser. Während die Sonne immer höher steigt merken wir, dass es hier am See doch ein anderes Klima ist als in Mbeya - kein Wunder wir sind fast 1000 m tiefer. Wir binden uns also unsere T-Shirts um den Kopf, um unser Gehirn nicht ganz verkochen zu lassen.

 

Nach einer knappen Stunde erreichen wir die Insel und ziehen die Kajaks an Land. Kleine Trampelpfade führen durch hohes Gras und brach liegende Felder, fast alles ist verdorrt. Während wir ins Inselinnere vordringen wird die Luft immer wärmer, die Sonne steht inzwischen fast im Zenit. Schatten gibt es kaum. Als wir eine Pause brauchen, gehen wir unter einem der wenigen grünen Bäume in die Hocke. So richtig trauen wir uns nicht, uns hinzusetzten - wer weiß, was hier so alles rumkrabbelt. Als nächstes wollen wir einen Hügel besteigen, der Aussicht wegen. Hier führt nur leider kein Weg hoch, sodass Christian mit seiner kurzen Hose lieber unten wartet. Tobi und ich hüpfen von Stein zu Stein und sind schließlich oben. Wir lassen den Blick schweifen, machen viele Fotos und erspähen schließlich am anderen Ende dieser Insel Palmen und etwas, das wie ein Strand aussieht. Da müssen wir hin!

 

Von der trockenen heißen Landluft haben wir allerdings genug, sodass wir den Weg mit unseren Kajaks bestreiten. Je näher wir jedoch kommen, desto merkwürdiger sieht die von uns vermutete Lodge aus. Letzen Endes erkennen wir, dass es sich um ein sehr ursprüngliches Fischerdorf handelt, das zugegebenermaßen an einem Traumstrand liegt. Einfache Fischerboote liegen im Wasser, Frauen spülen Töpfe direkt am Strand. Während wir immer näher kommen sammeln sich plötzlich immer mehr Kinder an. Wir steigen aus und schon während wir die ersten vorsichtigen Schritte machen, sind wir von staunenden Augenpaaren umringt. Wir stehen etwas doof rum und wechseln ein paar Worte auf Swahili mit zwei etwas älteren Jungs. Fotos wollen sie nicht von sich machen lassen. Ungewöhnlich. Später werden wir erfahren, dass auf diesen Inseln viele Flüchtlinge aus dem Kongo leben, diesen kann man ein gewisses Misstrauen nicht verdenken.

 

Als wir kurz darauf jedoch weiterfahren rennen uns die Kinder hinterher, sprich das Ufer entlang und schreien: "Piga Picha!" - Macht Fotos! Also ist die Welt hier doch normal ;)

 

Wir lassen uns noch ein wenig weitertreiben, in die Nähe eines ähnlichen noch größeren Fischerdorfes und machen uns langsam auf den Heimweg. Natürlich haben wir den Wind unterschätzt und so wird der Rückweg nochmal ganzschön anstrengend. Zwischendurch taucht direkt vor mir plötzlich ein Otter aus dem Wasser auf und guckt mich an. Na sowas. Außerdem beobachten wir immer wieder die Fischadler und die kleineren Vögel, die hier aus der Luft Jagd auf die begehrten Fische machen.

 

Abends drehen wir dann noch eine kleine Runde durchs Dorf, wobei wir unser Talent im Begrüßen vielmals unter Beweis stellen können. Die Kinder hier sind nicht so schüchtern, sie laufen nicht nur hinter uns her, sondern nehmen sogar unsere Hand. Insgesamt schienen die Leute sehr freundlich. Wir haben insgesamt den Eindruck, dass je ländlicher es wird, desto freundlicher die Leute sind.

 

Donnerstag, 16.09

Es war wirklich schlau gewesen reichlich Sonnencrème zu benutzen – von Christian. Tobi und ich hatten uns zwar auch eingecremt, doch unerklärlicherweise unsere Beine vergessen. Diese sind nun leuchtend rot. Auch sonst fühlen wir uns nach den 4 h Kajaking + 3 h Wanderung nicht gerade dazu in der Lage viel zu unternehmen, was dazu führt, dass unser Plan Fahrräder auszuleihen nur mit wenig Bemühen verfolgt wird. Stattdessen verbringen wir den halben Tag in unseren Betten und pflegen ein wenig unsere Oberschenkel.

 

Erst am Nachmittag geht es dann wieder zum Strand, um den See noch einmal richtig genießen zu können. Dort spielen wir dann Boccia mit ein paar knallharten Früchten, die wir unterwegs gepflückt hatten und machen sogar das (schwarze) Hotelpersonal neugierig auf dieses komische Spiel. Überhaupt kommen wir uns schon garnicht mehr wie Touristen vor, weil wir mehr mit den Angestellten der Lodge reden (die sogar etwa unser Alter sind), als mit den weißen Gästen. Diese sind Australische Geologen, die mit einem Flugzeug über den See fliegen und nach Öl suchen und amerikanische Unterseefilmer.

 

Es wird langsam Abend und wir erleben unseren schönsten Sonnenuntergang hier in Tansania. Als die Sonne schon ganz tief steht erkennt man die Shilouette der Berge des Kongo, 70km entfernt am anderen Ufer. Kurz bevor die Sonne ganz verschwindet fährt ein Kanu mit Fischern vorbei. Fast schon kitschig...

 

Der Mond ist diese Nacht so hell, dass wir auf dem Rückweg keine Taschenlampe brauchen. Wir gehen durch den Busch zurück und hören plötzlich ein Geräusch, wie nießelnder Regen, ein Rauschen, ein Wispern. Wir gehen etwas weiter und es wird deutlicher, es kommt von allen Seiten und umgibt uns. Es dauert ein bisschen bis wir darauf kommen, was es ist: Tausende von Ameisen haben es sich zur Aufgabe gemacht ein wenig aufzuräumen und fressen die herumliegenden staubtrockenen Blätter auf dem Boden. Doch kein UFO, Mist!

 

Freitag, 17.09

Während wir auf die Fähre warten, die uns nach Kirando bringen soll, von wo aus wir am nächsten Tag den Bus nehmen wollen, unterhalten wir uns noch ein wenig mit Brother Simon, der zufällig ein Klassenkamerad von Moger Miller, dem Headmaster von Christians Saminary School, war.

Als die Fähre (ein etwas größeres Fischerboot) dann kommt, sieht sie sehr voll aus, aber in dieser Hinsicht haben wir ja gelernt. Wir quetschen uns also dazu und werden lautstark vom Bootsführer angequatscht. Dieser überzeugt Christian dann sogar den Außenboarder zu steuern, was anfangs für Erheiterung und Schlangenlinien sorgt. Während der Fahrt unterhalte ich mich auf Französisch mit Augustin einem Psychologieprofessor aus dem Kongo, der vor zwei Jahren geflohen ist und noch seine Familie inklusive neun Kindern dort hat.

 

Wir kommen gegen Mittag in Kirando an und finden das Angebot, welches uns gleich von mehreren Seiten zugebrüllt wird – jetzt gleich mit einem Truck nach Sumbawanga zu fahren – verlockend, da wir einen Tag früher in Mbalizi ankommen könnten und den ganzen Sonntag zur Erholung nutzen könnten. Wir also rauf auf die Ladefläche und los gehts. Fast.

 

Der Truck fährt nämlich zuerst noch ein wenig im Ort herum und lädt ein paar Maschinenteile und große Fischkörbe auf. Diese sorgen anfangs für einen weniger angenehmen Geruch, doch da gewöhnt man sich dran.

 

Anschließend entwickelt sich jedoch ein Streit zwischen zwei Männern, bei dem es wohl um die Frachtgebühren o.ä. geht. Dieser ufert immer weiter aus und letzten Endes kann nur ein Schlichter die Beiden voneinander trennen. Die Menschentraube löst sich langsam wieder auf.

 

Wir hoffen nun, dass es endlich losgeht. Der Truck gibt nun auch endlich mal Gas und wir verlassen den Ort. Doch keine 5 min später halten wir schon wieder. Am Wegrand steht eine Gruppe von Männer, die im Busch Feuer legt und so durch verkokelnde Bäume Kohle herstellt. Diese Kohlestücke sind in mannsgroßen, bestimmt 80 kg schweren Säcken untergebracht, von denen nun ca. 10 Stück aufgeladen werden. Von den ca. 10 Personen, die nun herumstehen sind jedoch nur zwei am verladen, sodass wir zum Abladen der anderen Dinge, Aufladen der Säcke und Wiederaufladen der anderen Dinge, etwa eine Stunde brauchen. Während dieser Zeit sind wir in der prallen Sonne, es ist etwa 13 Uhr. Als wir dann endlich weiterfahren sind wir sehr für den Fahrtwind und das Gefühl voranzukommen dankbar. Die Ladefläche ist jedoch erst halb bedeckt, und so sind wir nicht überrascht, als bei der nächsten, am Wegrand wartenden Gruppe wieder halt gemacht wird und das gleiche Prozedere erneut beginnt. Überrascht sind wir dagegen, als wir wieder eine Stunde später zwar an einer Gruppe vorbeifahren, die nochmal rund 20 Säcke da hat, dagegen aber bei einer anhalten, die etwa 30 Säcke (!) bereithält. Die passen da doch nie und nimmer noch alle drauf...

 

Die Sonne brennt, unser Wasser ist warm und fast leer, Christian kränkelt leicht und Schatten wird nur von dünnen, vertrockneten Ästen gespendet. Wir sitzen auf dem staubigen Boden und die Zeit geht nicht vorbei, die Säcke werden nicht weniger und der Lastwagen nicht voll.

 

Irgendwann hat man erbarmen mit den Mitreisenden und schenkt jedem einen kleinen getrockneten Fisch.

 

Als es dann endlich weitergeht sitzen wir 2 m höher als davor, auf den Säcken, bzw. auf den Stangen des Trucks. Die Fahrt ist abschnittweise ganz angenehm, die Aussicht auf jeden Fall gut. Als dann die Dunkelheit kommt, wird es schnell kalt. Trotzdem ist dies der schönste Teil der Rückfahrt, denn ich liege auf dem Rücken, gucke in die Sterne und erhasche sogar Sternschnuppenaugenblicke.

 

Wir ereichen Sumbawanga nach 12 h, gegen Mitternacht. Im Hotel, in dem wir auch letztes Mal waren steigt eine riesige Party, der Bass lässt die Wände wackeln. Uns ist das egal, wir schlafen trotzdem gut.

 

Samstag, 18.09

Wir haben es am Tag vorher leider nicht geschafft uns für den Sumry-Bus nach Mbeya Tickets kaufen zu lassen, deswegen müssen wir es jetzt selbst probieren. Der Bus fährt um 8, ich stehe um 7 im Sumry-Office, doch keine Chance, die Sitzplätze sind weg. Auf Stehplätze haben wir keine Lust, nicht nach dem letzten Tag. Also fällt der Entschluss: Wir trampen!

 

Ideal wäre einer von den dicken Jeeps, die von irgendwelchen Forschern oder Touristen gefahren werden. Vielleicht haben wir ja Glück. Wir stellen uns also an eine der Poliziestationen und bitten den Polizisten für uns, bei den Autos, die er anhält zu fragen, ob sie uns nach Mbeya mitnehmen würden.

 

Nach einer Stunde Warten sind wir etwas desillusioniert was einen konfortablen Jeep angeht und steigen so auf die Rückbank des Führerhäuschens eines Tiefladers. Die ersten 100 km fliegen wir noch ohne Ladung mit ca. 50 km/h über die Piste, bis dann irgendwann angehalten wird, um die Ladefläche zu füllen.

 

2 h, viele Maissäcke und verhedderte Sicherungsseile später, könnte die Reise weitergehen, wenn nicht die Batterie kaputt wäre. Also heißt es warten, bis ein anderer Truck vorbei kommt, dessen Batterie ausbauen, bei sich einbauen, Motor starten, wieder ausbauen, beim anderen wieder einbauen und dann kanns doch schon losgehen!

 

Womit wir nur nicht gerechnet hatten, ist, dass die Geschwindigkeit des Trucks so stark von der Ladung abhängt...

 

Es war inzwischen späterer Nachmittag und wir hatten noch ca. 270 km vor uns. Der Truck kriecht mit ca. 10 -20 km/h über die Straße. Als uns diese Zahlen klar werden sinkt die Stimmung ins Bodenlose. Christian ist immernoch leicht fiebrig und wir sind auf der engen Rückbank, direkt hinter dem Fahrer und den zwei Beifahrern derart eingequetscht, dass an Schlafen nicht zu denken ist. Wenn man tatsächlich einschläft, wacht man wieder auf, sobald der nächste große Stein den Truck gegen deinen Kopf haut.

 

Wir fassen also den Entschluss, dieses schleichende Monstrum so bald wie möglich zu verlassen und wenn nötig, wieder so einen Truck wie am Vortag zu besteigen. Alles ist besser, als eine endlose Fahrt.

 

Nur leider ist es schon fast Abend und kein Truck mehr aufzutreiben. Wir beschließen also, bis nach Tunduma im Truck zu bleiben und dort dann etwas anderes zu suchen.

 

Die Fahrt dauert und dauert. Mittlerweile ist es stockdunkel. Wir haben bald Mitternacht, sind mitten im Niergendwo und während der letzten Stunde ist uns kein anderes Fahrzeug begegnet. Der Fahrer sieht auch nicht mehr all zu fit aus. Plötzlich ein Röcheln, Husten. Dann Stille. Stille? Und der Motor? Tja, abgewürgt. Erinnert ihr euch noch an die Batterie? Genau, die ist kaputt.

 

Dem Fahrer entweicht ein "Shit", das hört man hier sonst sehr selten. Diesmal ist es allerdings wirklich angebracht. Das heißt, eigentlich nur für diesen Moment, den wir haben ein unverschämtes Glück. Wir sind gerade ein einer kleinen Steigung, sodass wir langsam nach hinten rollen. Der Fahrer wartet kurz und lässt dann die Kupplung kommen. Der Motor springt wieder an, so ein Gas...

 

Wir erreichen Tunduma gegen 3 Uhr nachts. Wir haben keine Energie und Geduld zum Verhandeln und zahlen den viel zu hohen Preis für diese Mitfahrgelegenheit. Dafür vermitteln uns die Truckfahrer an einen Busfahrer, der gleich am nächsten Morgen nach Mbalizi fährt und uns bis dahin in seinem Bus schlafen lässt.

Wir verbringen die restliche Nacht also zitternd quer auf ein paar durchgesessenen Bussitzen.

 

Sonntag, 19.09

Wir kommen etwa um 9 Uhr in Mbalizi an. Zombiegleich holen wir uns die Schlüssel von unseren Nachbarn und fallen sogleich wie tot in unsere Betten.

 

 

 

Tja, das war auf jeden Fall eine unvergessliche Reise. Tobi und ich hatten zudem oft das Problem, dass wir uns nicht auf unsere Oberschenkel lehnen und nichts auf den Schoß nehmen konnten ^^

 

Inzwischen haben wir auf jeden Fall eine andere Wahrnehmung für Bequemlichkeit, Geduld und wissen, dass man lieber vorher fragen sollte wie lange die Reise vorraussichtlich dauert, auch wenn man es eigentlich nicht eilig hat.

 

Allen die sich diesen Artikel wirklich ganz durchgelesen haben möchte ich ganz herzlich gratulieren, kürzer ging einfach nicht, sorry :)

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Kommentare: 2
  • #1

    Zhi (Sonntag, 26 September 2010 15:25)

    einfach klasse!;)

  • #2

    Esther (Montag, 27 September 2010 14:21)

    ich wusste gar nicht, dass du soo lange Texte schreiben kannst!:D aber toll!:)