La Politique

Hallo allerseits!

 

Das soll jetzt mal nur ein kurzer Artikel werden, mal sehen... Ein kurzer Artikel zu den morgen anstehenden Wahlen.

 

Alle fünf Jahre wird ein neues Parlament gewählt. Und wir sind dabei :)

Besonders spannend wird die Wahl allerdings nicht werden. Bei der letzten Wahl hatte die CCM-Partei etwa 80% aller Stimmen, was auch dieses Jahr vermutlich nicht groß anders sein wird. Der einzige erwähnenswerte Herausforderer von dem aktuellen Präsidenten Kikwete und seiner Partei ist Chadema mit seiner Partei (deren Namen ich leider nicht weiß - es sind quasi keine Plakate von Parteien außer CCM zu sehen, von CCM dafür umso mehr).

 

Bin auch gerade nicht im Internet, kann also nicht weiter recherchieren, aber was ich hier so erfahren habe, ist ja hoffentlich eh viel interessanter und authentischer ;-)

 

Also – CCM wird wieder die absolute Mehrheit haben, alledings vermutlich nicht mehr 80% sondern vielleicht 70. Mit einem unserer Lehrerkollgen haben wir über seine politische Einstellung gesprochen. Er ist der Meinung CCM würde möglichst wenig verändern wollen und hätte nichts wirklich zu bieten und sondern seien nurnoch darauf bedacht sich selbst toll darzustellen. Er benutzte den schönen Vergleich: "Ein guter Vater muss seinen Kindern nicht sagen, dass er ein guter Vater ist". Die Beliebtheit CCMs erklärte er mit der Leichtgläubigkeit der ungebildeten Bevölkerungsschichten. Viele seiner Freunde von der Universität seien allerdings für Chadema aktiv und bilden zusammen mit der gebildeteren Jugend eine neue Generation, welche kritischer mit Politik umgeht. Chadema dagegen stehe für Bildung, welche das Allheilmittel für das Land sei.

 

Wolfgang, wie unser Kollege heißt, hat uns noch einiges mehr erzählt, was ich jetzt leider nicht mehr alles wiedergeben kann. Hat sich allerdings rundum ziemlich schlüssig für mich angehört. Was die Parteien letzten Endes dann wirklich tun von dem, was sie versprechen, kann man wohl kaum so bestimmt vorhersagen, wie er es tat, aber vernünftiger klang es trotzdem.

 

Hier in der Stadt häufen sich in den letzten Tagen die Kundgebungen der Parteien und das Raushängend von Fahnen der Anhänger immer mehr. Beobachten können wir das ja schon seit wir vor 2 Monaten hier angekommen sind (krass 2 Monate...).

 

Alle Art von Aktivitäten, welche für die Öffentlichkeit bestimmt sind, werden stets von großen Lärm begleitet. Muss hier wohl so sein – wenn etwas toll ist, ist es laut...

 

Das sieht dann zum Beispiel so aus. Ein Lastwagen mit Musikboxen auf der offenen Ladefläche, ganz in grün gehüllt (grün = CCM) fährt langsam durch die Straßen. Aus den Boxen kommt mit "fettem Bass" Musik, die so in Richtung Gangster - Rap geht. Dazu stehen dann ein paar junge Anzugträger mit grünem Halstuch auf der Ladefläche und tanzen lässig zum Beat. Ab und zu hält der Wagen an und einer der Parteimitglieder hält feurige Reden, welche immer ihr Publikum finden.

 

Andere Parteien verfahren ähnlich, manche verzichten sogar auf die politischen Ansagen und belassen es bei einer professionellen (leicht bekleideten) Hinternwackel-Tanztruppe. So macht man Politik...

 

Chademas Leute habe ich so noch nicht gesehen, scheint in dieser Hinsicht also eine Ausnahme darzustellen, was ja schonmal für ihn spricht. Er war sogar persönlich in Mbeya, wir haben in allerdings leider verpasst.

 

Jetzt noch ein paar wirklich brinsante Infos die wir aus einer anonymen Quelle zugespielt bekommen haben ;-) Und zwar zum Thema Korruption und Aussagekraft der DEMOKRATISCHEN Wahlen: Bis vor den letzten Wahlen konnte man noch wählen gehen wo man gerade war. Inzwischen ist jeder Stimmberechtigte (Männer und Frauen ab 18) seinem Heimatsort zugewiesen und kann somit nurnoch einmal wählen gehen. Sowas wie Briefwahl gibt es natürlich nicht. Das heißt wenn man gerade weit weg von zu Hause ist, oder einem seine Stimme nicht so wichtig ist, kann man sie an eine Partei verkaufen. Das läuft dann so ab: Der Ausweis wird der Partei für 30.000 Shilling (15€) geliehen, bis diese sich damit einen der Stimmzettel geholt hat, anschließend zurückgegeben. Welche Parteien das machen haben wir nicht erfahren, aber wir waren doch etwas überrascht so eine genaue Summe genannt zu bekommen. Ist wohl ein öffentliches Geheimnis...

 

30.000 Tsh sind für manche Leute hier eine Menge Geld und so könne wir uns gut vorstellen, dass Mancher sich von dieser einmaligen Förderung mehr verspricht, als von einer anderen Politik.

 

Also in dieser Hinsicht auf die Verteilung der Sitze im Parlament kann es dann doch etwas spannender werden, für uns wird es dann aber vor allem interessant sein zu sehen, was in der Stadt so los sein wird. Fahnen. Stimmen. Chaos!

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Kommentare: 1
  • #1

    Martin - KA (Samstag, 06 November 2010 18:33)

    Hallo Pascal!

    das hat sich in der Tat gut getroffen, dass du gerade im Wahljahr in Tansania unterwegs bist und hautnah mitbekommst, wie Demokratie in einem anderen Land und Kultur ausschauen kann und uns als Insider Einblicke gewährst, die so nicht immer zugänglich sind. Das Googeln dazu hab' ich vorerst auch mal sein lassen.

    Damit die Resonanz "sur la politique en Tansania" im fernen Deutschland nicht allzu mager ausfällt, will ich auch kurz oder auch nicht ;-) ein paar Gedanken loswerden, die mir bei deinem Artikeln gekommen sind.

    Die Demokratie hat nicht nur Vorteile sondern auch Gefahren. Durch "Brot und Spiele" können die gegenwärtigen Machthaber, die das Geld und die nötige Infrastruktur auf ihrer Seite haben, die Stimmen der einfachen Leute erhaschen, ihre Macht sichern und somit ggf. weiter ihr Unwesen treiben. Das hast du durch deine Schilderung gut rübergebracht. Insofern ist Bildung und Aufklärung eine ganz wichtige Sache. Dies ist sicher auch ein Aspekt deiner Tätigkeit in Afrika.

    Mir kam die lustige Vorstellung, wie es wohl hier in Deutschland wäre, wenn die Parteien in Umzugswägen mit Technomusik und GoGo-Girls (in Bayern mit Volksmusik und Mädels in Dirndln :-)) auf Stimmenfang unterwegs wären, ob das dann auch von Erfolg gekrönt wäre? Wahrscheinlich nicht, denn hier läuft das auf einer subtileren Ebene. Aber gute Stimmung und Versprechungen von einem besseren Leben zu verbreiten, gehören meist dazu.

    Nun zu den brisanten Infos, die du uns lieferst und vorsichtig abgewägt in den Cyberraum stellst. Ich hoffe doch mal, dass der Geheumdienschd (hab's badisch kodiert um's denen nicht zu einfach zu machen ;-)) von Tansania nicht schon auf deinen Spuren ist. Da scheint ja klares Kalkül dahinter zu sein, dass die herrschenden CCM mit ihrem Geld das Wahlsystem so ändert, dass sie sich ihre Stimmen einkaufen und die Macht sichern können.

    Haben da die anderen überhaupt noch einen Chance? Und was mich wirklich interessiert: wie tolerant gehen die Machthaber mit den restlichen Parteien um. Gibt es Repressalien oder gar wirklich ein Geheumdienschd, der zu fürchten ist? Hoffe du liest das nun nicht im Kerker ;-)

    Und ah ja – wie ging die Wahl nun aus?
    Wünsch dir geht's gut und freu mich auf die nächsten Neuigkeiten von dir.