Von Bergen und Computern

Hey :)

 

Zeit sich mal wieder zu melden. Doof nur, dass man über die Zeiten in denen viel los ist und man somit wenig Zeit zu schreiben hat, auch immer viel schreiben könnte. Nun ich leg einfach mal los :)

Mein letzter Bericht endete mit unserer Reise zum Lake Nyasa und der aufregenden Wander- und Autogeschichte. Das ist nun schon knapp 2 Monate her, Wahnsinn...

Was unsere Arbeit angeht begann sich in der Zeit vor Weihnachten langsam etwas zu tun. Wir hatten die Idee, mithilfe eines Fragebogens den computertechnischen Wissensstand der Schüler in Erfahrung zu bringen, um sie so in Gruppen ähnlichen Wissensstandes einteilen zu können. Also erstellten wir Fragebögen die z.B. Fragen wie diese enthielten:

 

Hast du jemals einen Computer bedient?

Weißt du wie man mit der Maus umgeht?

Hast du Erfahrung in Microsoft Office?

usw.

 

Nach einer Woche hatten wir die meisten dann auch wieder zurück und begannen diese auszuwerten. Es zeichnete sich ab, dass eine Einteilung in drei Wissenslevel sinnvoll ist.

 

Level 1 für die, die noch nie einen Computer bedient haben,

Level 2 für alle, die schon mit Maus und Tastatur umgehen können, z.B. schon Spiele gespielt oder Musik gehört haben und

Level 3 für die, die überall „Ja“ angekreuzt haben, also auch Programme installieren können und sich mit Office und dem Internet auskennen.

 

Die Verteilung der ca. 250 Schüler aus Form V und Form VI (entspricht Klasse 12 und 13) auf diese 3 Level sah so aus:

 

Lvl. 1: 193 Schüler

Lvl. 2: 34 Schüler

Lvl. 3: 27 Schüler

 

Wir haben jetzt also fünf Gruppen für Level 1 und jeweils eine Gruppe für Level 2 und 3. In der Oberstufe wählen die Schüler hier jeweils eine Kombination aus drei Fächern aus, je nachdem was die Secondary School anbietet. An unserer Wenda gibt es EGM, HGE, HGK, HKL und HGL.

 

E = Economy

G = Geography

M = Advanced Mathematics

H = History

K = Kiswahili

L = Language, sprich Englisch

 

Wir haben die Computergruppen also nach Level, Form und Combination eingeteilt, in Group 2 sind z.B. alle Level 1 aus Form V mit den Combinations HGK und HKL, zusammen 45 Schüler und Schülerinnen und damit unserer größte Gruppe.

 

Einem großen Problem, oder besser einer großen Herausforderung stehen wir noch gegenüber: Form VI, also der Abschlussjahrgang hat seine Abschlussprüfung bereits in der zweiten Februarwoche und danach läuft für die nix mehr. Das heißt wir haben kaum Zeit zu Unterrichten, bevor wir die Schüler testen müssen, damit wir ihnen anschließend ein Zertifikat ausstellen können, das ihnen bei der Unibewerbung helfen soll. Deshalb haben wir die Gruppen 3 bis 5, also die Level 1er aus Form VI zweimal pro Woche in unseren Stundenplan aufgenommen.

 

Unsere Unterrichtseinheiten sind jeweils in Doppelstunden zu 80min gegliedert. Die erste Stunde beginnt um 7:30, dann gibt es um 10:10 eine halbe Stunde Pause, anschließend Unterricht nach Plan bis 14:40. Für die meisten Schüler geht der Schultag dann aber noch weiter, da sie Projektarbeiten vorbereiten oder allgemein Dinge für das Schulwohl tun, von Klassenzimmer putzen bis Felder bestellen. Soweit verlief die Planung vor Weihnachten.

 

Der Computerraum wurde letzten Endes gerade rechtzeitig zu unseren Ferien fertig. So konnten wir immerhin die letzten zwei Tage erstmals mit Schülern arbeiten. In Kleingruppen saßen sie vor den Computern und arbeiteten an verschiedenen Erdkundeprojekten zum Thema Umweltschutz. Glücklicherweise war meist immer mindestens einer dabei, der sich auch ein wenig auskannte, sodass die Arbeiten einigermaßen erfolgreich verliefen und unser Headmaster sehr zufrieden war.

Während der Adventszeit hatten wieder also wieder mal viel Freizeit, welche wir unter anderem dazu nutzten endlich eine der Aktivitäten zu bestreiten, die wir uns schon lange vorgenommen hatten und möglichst vor dem Einsetzen der Regenzeit absolvieren wollten:

Das Erklimmen des 2818 Meter hohen Mbeya Peaks

Inzwischen regnete es jedoch immer öfters, sodass wir keine Wahl hatten als es einfach darauf anzulegen. Bei einer früheren Wanderung hatte ich einen deutschen Kaffee-Farmer kennen gelernt, welcher direkt unterhalb des Peaks wohnt. Der Plan war uns ein Auto von Mr. Mwampoma, dem Direktor und Besitzer unserer Schule, auszuleihen, bis zur Kaffee-Farm zu fahren und ab dort dann loszuwandern. Auf diese Weise war es nicht nötig vor Sonnenaufgang aufzustehen, um die ersten 6 oder 7 km bis zur Farm zu Fuß zurückzulegen.

Gesagt, getan. Genau 10 Uhr war es, als wir (Tobi und ich – Christian war immer noch auf Reisen) frohen Mutes und frischen Schrittes die Kaffeefelder passierten. ;)

Unterwegs hatten wir uns noch Kekse und Bananen gekauft und unsere Rucksäcke waren so mit den zusätzlichen 3 Litern Wasser pro Person und Regenjacken ganz gut gefüllt.

 

Die ersten eineinhalb Stunden der Wanderung führten uns auf einem kleinen Trampelpfad zielstrebig direkt auf den Gipfel zu. Frei nach dem Motto „Keine Gnade für die Wade“ machten wir nur kurze Pausen und hatten so schon einiges an Höhenmetern zurückgelegt als wir schließlich an eine Kreuzung kamen.

Clemens, wie der Name des Kaffeebauern lautet, hatte uns schon von den Wegen, die beide zum Gipfel führen sollten, erzählt, meinte jedoch auch, dass er bisher immer nur den linken genommen hätte. Also drehten wir uns nach links und folgten von nun an einem Weg, der uns zu unserer Verwunderung nur noch parallel zum Berg führte. Dabei durchquerten wir ein ausgetrocknetes steiles Bachbett (von Fluss kann nicht die Rede sein), welches sich bei Regen zu einem Sturzbach bis Wasserfall verwandelt.

 

Tja, doch unser Weg enttäuschte uns - anstatt uns dem Gipfel näher zu bringen, führte er uns parallel zum Berg, also eher weiter weg und teilweise ging es sogar leicht bergab! Irgendwann wurden wir ungeduldig (was man bei Wanderungen NICHT sein sollte!) und entschieden uns querfeldein unser Glück zu versuchen. Der direkte Weg zum Gipfel führte zwar zwischen verschiedenen Sträuchern durch, doch wir hatten ja gute Schuhe an...

Die Wolken die inzwischen aufgezogen waren, machten einen immer unfreundlicheren Eindruck und unser Glaube an die meteorologischen Fähigkeiten der ansässigen Bauern (Nee, nee, heute wird’s nicht regnen) löste sich schließlich in den ersten dickeren Regentropfen auf.

 

Langsam stellen sich uns auch immer mehr Grünzeug in den Weg, sodass unser Vorankommen durch hindernisbedingte Umwege verlangsamt wird. Plötzlich bleibt Tobi stehen und verliert seine sonst so unerschütterliche Ruhe: „Kamera, KAMERA, KAMERA! Mensch HOLDIEKAMERARAUS!“ Dabei starrt er auf einen der dünnen Farnenäste, den ich gerade noch zur Seite geschoben hatte. Und dann sehe ich es auch: Ein Chamäleon. In echt. Ein echtes Chamäleon, nicht irgendwie in einem Reptilienhaus oder so. Hier. In echt.

 

Ach du Sch..., ich bin ja in Afrika... Schon ganz vergessen gehabt.

 

Diese „Ach-du-Sch...-ich-bin-ja-in-Afrika-Momente“ werden immer seltener und brauchen immer extremere Auslöser. Die ersten ein, zwei Monate waren sie noch recht häufig, ausgelöst z.B. durch den Anblick einer deiner Mitfreiwilligen, welcher in einer Gruppe Afrikaner steht und einem so das Fremdsein anhand der Hautfarben anschaulich macht, oder „visualisiert“ wie man es als Angehöriger der Power-Point-Generation ausdrücken sollte. Doch mit der Zeit gewöhnt man sich an das „An-Dinge-gewöhnen“ und irgendwann braucht man dann schon ein Chamäleon, um so einen „AdSibjiAM“ hervorzurufen.

 

Ich habe meine Kamera glücklicherweise trotz dieses gedanklichen Buchstabengewurschtels noch rechtzeitig herausholen können und so ist denn auch Euch das Bestaunen dieses Wesens möglich. Bei Anblick des Tierchens gaben die Wolken dann so richtig Gas, als wollten sie es beeindrucken und das schlaue Ding nutzte den Moment unseres „Regenjacken-aus-dem-Rucksack-Kramens“ natürlich aus, um sich geschwind aus dem Staub zu machen, bzw. sich so toll zu tarnen, dass wir es anschließend nicht mehr ausfindig machen konnten.

Inzwischen hatten wir dann auch ganz andere Probleme – in Gestalt fieser kalter Tropfen, die entweder aus großen Höhe mit Gewalt, oder durch den Umweg über Zweige, die unsere Körper strichen, mit Heimtücke, versuchten unserer Haut möglichst nahe zu kommen, um ihr Wärme zu stehlen. Bei Tobi hatten sie sogar etwas leichteres Spiel, da dieser Wanderer nicht mal eine lange Hose angezogen hatte. Zudem wurden die, schon erwähnten, nassen Zweige immer dichter, bis sich unser Vorankommen schließlich so weit verlangsamt hatte, dass eine Lösung her musste. Bis zu einer etwas lichten Stelle, die gerodet wurde um wer-weiß-was anzupflanzen, kämpften wir uns noch durch, doch ab dort entschieden wir, von nun an nicht mehr auf den Gipfel zuzustürmen, sondern fortan, dem Wasser gleich, den Weg des geringsten Widerstandes zu wählen.

Dieser führte uns wieder in etwa in die Richtung des von uns so verlassenen Weges, welchem wir so wenig Vertrauen entgegengebracht hatten. Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen und nach einiger Zeit glaubten wir an einer Häufung umgeknickter Grashalme einen Weg zu erkennen, dem wir sodann aufmerksam folgten. Tatsächlich mündete dieser kleine Weg irgendwann in einen größeren, welcher uns wieder in bergan führte und unsere Waden wieder etwas forderte. Endlich :)

 

Nach einer weiteren Stunde Aufstieg konnten wir endlich einen ersten Blick auf die andere Seite der Bergkette werfen. Ich glaube an diesem Punkt lasse ich lieber die Bilder sprechen :)

Nun hieß es nur noch den Kamm zu erklimmen. Dieser letzte Teil der Tour, war der steilste, gefährlichste und gleichzeitig der schönste. Fotos, zeigt's ihnen!

Zu beiden Seiten ging es nun steil bergab und während wir nun todesmutig den Kamm - der z.T. wirklich kaum breiter war, als ein Kamm lang ist – entlang balancierten, sorgten Bergziegen und eine sturzfliegende Adlerfamilie für die richtige Stimmung. Eine Stimmung, die dich fühlen lässt, dass du dich jenseits allem menschlich Berührtem befindest.

 

Und dann waren wir oben. Auf einem Plateau von vielleicht 100 Metern Länge und 10 Metern Breite. Einzelne Graffitis auf Steinen und verschiedene Kronkorken zeigten uns, dass wir leider doch nicht die allerersten hier oben waren. :)

Unter uns erstreckte sich das weite Tal, in dem Mbalizi liegt, im Südwesten sahen wir Songwe, den Nachbarort, mit dem Zementwerk und der Baustelle des internationalen Flughafens der schon seit längerer Zeit „fast fertig“ ist. Östlich befand sich Mbeya, ausgebreitet über viele kleinere Hügel und an die Mbeya-Range Bergkette angeschmiegt. Im Norden war außer einzelnen Bauernhöfen keine wirkliche Zivilisation zu erkennen und ganz in der Ferne glaubten wir die glatte Oberfläche eines Sees erkennen zu können.

 

Wir machten es uns also bequem und genossen die Stille, welche durch das Rauschen der Wolken eher ergänzt als gestört wurde, beobachteten die Adler und spielten ein wenig Karten. Nur ein wenig, weil nach kurzer Zeit ein Windstoß kam, der unserer Schellen-König immer höher forttrug uns ihn schier nicht mehr herunter lies. Und ein paar Fotos haben wir zugegebenermaßen auch geschossen.

Der Abstieg wurde dann aufgrund der körperlichen Ermüdung besonders vorsichtig vorgenommen und schon bald waren wir wieder im bewachsenen Gebiet angelangt. Dort entschieden wir uns dann, einem Weg zu folgen, der uns auf direktere Art zu unserer Abzweigung führen sollte. Diese konnten wir grob lokalisieren, da wir sie unterhalb eines riesigen abgebrochenen Felsbrockens wussten. Anfangs schien er diesen Zweck auch gut zu erfüllen, doch nach einer Weile ging es nicht mehr weiter bergab, sondern wieder bergauf!

 

Nach kurzer Diskussion sah unser Lösungsweg wie folgt aus: Da wir gerade einen trockenen Bachlauf durchquert hatten und uns genau oberhalb des richtigen Weges befinden müssten, nutzen wir den Bachlauf als weg, da ansonsten alles total zugewachsen ist. Jetzt wurde es also nochmal spannend, z.T. schlitterten wir größere Felsen runter, landeten (fast) nie im Matsch und verstauchten uns noch nicht einmal die Knöchel. Doch das Vorankommen war sehr langsam, als wir schließlich von einem erhöhten Punkt aus Ausschau hielten sahen wir eine Gruppe Afrikaner, die auf dem richtigen Weg unterwegs waren. Tatsächlich erreichten wir nach ca. einer Stunde Geklettere den Weg, wo die Einheimischen, welche uns auch schon erspäht hatten, auf uns warteten.

Nach insgesamt 9 h Wanderung erreichten wir dann die Kaffee-Farm, wo wir sogar noch ein wunderbar leckeres Abendessen angeboten bekamen.

 

Wenn wir in den nächsten Tagen verschiedenen Leuten erzählten, dass wir den Mbeya Peak bestiegen hatten, so waren sie komischerweise kaum interessiert - was diese Wanderung für einen Sinn oder Zweck hatte war für sie wohl nicht nachvollziehbar. Ist ja an und für sich auch bescheuert ;)

 

Soweit erst einmal die Berichterstattung der Geschehnisse vor Weihnachten. In dem zweiten Teil meines Berichtes werde ich dann über das von uns inzwischen begonnene Unterrichten, unsere Reise nach Sansibar und natürlich über unser Weihnachtsfest schreiben. Hier packe ich das lieber nicht noch alles rein, sonst wird der Bericht gar nicht mehr fertig!

 

Während ich das hier schreibe, tobt draußen mal wieder ein für die Regenzeit nicht ungewöhnlicher „Weltuntergangsregen“ bei dem das Trommeln der Regentropfen auf dem Wellblechdach eine Verständigung im Haus nur durch Schreien zulässt.

 

In diesem Sinne also: MACHTS GUT!

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Kommentare: 2
  • #1

    Zhi (Montag, 31 Januar 2011 10:34)

    auch wenn ich gerade in der bib hocke und für die morgige klausur büffeln wollte habe ich wieder deinen bericht genossen, wieder ein dickes, fettes "LIKE" ;), auf den bericht und auf die atemberaubenden bilder. und es ist wieder typisch, dass ihr nicht den "angelegten weg" nehmt, sondern eure eigene route :D ;), aber gerade das hats ja spannend gemacht!
    au man... musste echt loslachen, als ich den teil mit der reaktion der einheimischen auf eure tour gelesen hab :D. naja, der heiligenberg oder königsstuhl ist ja auch nichts mehr besonderes für uns... also das heimische äquivalent zum mbeya peak, nur in anderen dimensionen :P.

  • #2

    Valle (Samstag, 16 Juli 2011 21:57)

    Nice!!

    Lese hier immer gern

    cheers