Warten auf Strom

Versetzt Euch gedanklich zurück in die Vorweihnachtstage. Hab gehört da gab's bei Euch jede Menge Schnee :)

Hier sah das etwas anders aus:

Heiligabend verbrachten wir bei unseren Freunden in Igawilo, auf der anderen Seite von Mbeya. Nachdem wir am Vortag schon angereist waren, hatten wir so am 24. ab morgens (nicht zu früh) Zeit alles vorzubereiten. Alles – das heißt ein Festessen, wie wir, die wir uns hauptsächlich von Ugali, Reis und Pommes ernähren, nicht so schnell vergessen sollten :)

 

Felix und Micha hatten nämlich zwei Enten gekauft, die sie in ihrem Innenhof gehalten und gemästet hatten. Und diese sollten das aus Nudelsalat, Kartoffeln, Kuchen und Plätzchen bestehende Essen zusammen mit einer leckeren Soße krönen. Dafür mussten sie also vom Hof in die Pfanne - und kein Metzger, der uns diese Arbeit abnahm.

 

Die nun folgenden Schilderung werden aus Rücksicht auf etwaige zarte Seelen nicht in allen Einzelheiten ausgeführt. Wer solche will soll nachfragen ;-)

 

Micha und ich, die wir beide noch keine Erfahrungen in dieser Hinsicht hatten, gingen also ans Werk. Das töten erforderte einiges an Überwindung und auch das Rupfen eines noch warmen Körpers war anfangs etwas gruselig. Letzten Endes schafften wir es dann auch, die Innereien zu entfernen und das (doch eher wenige) Fleisch von den Knochen zu trennen und zu schnetzeln.

 

Zur spirituellen Seite dieser Aktion: Insgesamt mal wieder ein Erfahrung, die ich in Deutschland sicher nicht so schnell gemacht hätte und die als bekennender Fleischesser eigentlich auch gar nicht so abwegig ist. Zudem verschaffte es eine gewisse Befriedigung, mal in die Jägerrolle zu schlüpfen und als das Essen dann schließlich auf dem Tisch stand und sogar einigermaßen gut schmeckte, war der Tag schon als ein sehr guter anzusehen. Was nicht heißt, dass er nicht noch besser werden konnte....

 

 

Während die Weihnachtsmusik-CD von Felix uns schon den ganzen Tag über begleitet hatte und trotz den warmen Temperaturen etwas Weihnachtsfeeling verbreitete (Wer muss bei „Last Christmas“ denn nicht an Supermarktregale voller Schokoladen-Weihnachtsmänner denken – ja auch das ist Weihnachtsatmosphäre!), wurde sie später noch von dem, an zu Hause erinnernden, Nießelregen unterstützt.

 

Schließlich saßen wir im, vom Kerzenlicht und einem 50 cm hohen künstlichen Tannenbaum mit Lichterkette, beleuchteten Raum und konnten nach einem langen Tag der Vorbereitung das Essen genießen. Trotz einzelnen Protesten schmetterten wir immer wieder mal ein Weihnachtslied und dann gabs ja auch noch Geschenke! Christian machte uns alle etwas verlegen, da er von seiner großen Reise durch Kenia, Uganda, Ruanda und Tansania mit Abstand die coolsten Geschenke mitbrachte. Auch die Mädels hatten mit ihren verrückten, lustigen Krawatten, von denen jeder eine bekam, einen Treffer ganz oben in der Hitliste der besten Geschenke gelandet.

 

Für mich persönlich war ein Geschenk trotzdem nicht zu übertreffen: das (wirklich) lang ersehnte Paket aus der Heimat. Nachdem ein erstes Paket nach ca. 3 Monaten immer noch nicht da ist, hatte es bei dem zweiten geklappt und so konnte ich am 23.12 ein Paket vom Postoffice in Mbeya abholen, in welchem ich neben Süßigkeiten, einem Sparschäler, Zahnpasta und anderen Kleinigkeiten, auch die DVD der Aufführung des Sommernachtstraums meiner geliebten Theater-AG enthaltsam wusste!

 

So kann also ein Weihnachtsfest in Afrika aussehen. Von den Einheimischen hier wird Weihnachten am 25. gefeiert und auch mit weit weniger Aufsehen als in Deutschland. Die Schule wurde nur für ein paar Tag ausgesetzt, am 28.12 war schon wieder Unterricht. Doch da waren wir schon nicht mehr da, denn für uns ging es in dieser Zeit nach...

Dar es Salaam und Sansibar

Bereits am 25. morgens machten wir uns auf den Weg. Das Ziel war, nachdem wir in unserem Haus unser Gepäck geholt hatten, der Bahnhof. Über die Zugfahrten hatten wir durch unsere Couchsurfer immer schon viel mitbekommen und wollten es nun mal selbst ausprobieren – als Alternative zu den unbequemen und gefährlichen Busfahrten.

 

Es sei mir erlaubt kurz allen „Auf-die-Deutsche-Bahn-Schinpfenden“ den Schienenverkehr Tansanias vorzustellen:

 

Es gibt hauptsächlich zwei Bahnstrecken, beide von Dar es Salaam ausgehend. Die eine führt bis nach Kigoma am Tanganyika See im Westen und hat eine Abzweigung nach Mwanza am Lake Victoria im Norden, die andere, TA-ZA-RA (Tanzania-Zambia-Railway), führt in den Süd-Westen über Mbeya bis nach Lusaka, Zambia.

 

Erstere wurde vor dem ersten Weltkrieg von den deutschen Kolonialherren gebaut und befindet sich noch größtenteils im Originalzustand. Soweit ich weiß, wird ein Teil der Strecke auch tatsächlich noch befahren...

 

Wir reisten mit der Tazara. In den 70ern von chinesischen Firmen gebaut, aber noch in tansanischem Besitz ist sie um einiges schneller, sicherer und zuverlässiger. Die Züge fahren zwei mal pro Woche und sind in der Regel wenige Stunden bis 1 – 2 Tage verspätet...

 

Das erste Klasse Ticket für die 900 km lange Reise kostete 27.000 Tsh, also ca. 13 € (ich gebe zu – da kann die deutsche Bahn nicht mithalten!). Untergebracht ist man in recht geräumigen 4er Schlafabteilen, dessen Betten man hochklappen kann, um bequemer zu sitzen.

 

Planmäßige Abfahrtszeit war 14:00 und so machte ich mich um kurz vor zwei auf den Weg zur Station, die nur 10 Minuten Dallafahrt von Mbalizi entfernt ist, um dort die Verspätung zu erfragen. Wir hatten Glück: schon um viertel vor fünf Uhr sollte der Zug in Mbeya sein. Ich entschloss mich es den, vor der Station wartenden, Afrikanern gleich zu tun und machte es mir auf einem Rasenstück in der Sonne bequem.

 

Drei Stunden später saß ich im Abteil und hatte Sonnenbrand auf der Nase.

 

Insgesamt war die Fahrt trotzdem sehr angenehm, mit tollen Aussichten und z.T. direkt durch kleine Dörfer. Bei jedem der ca. 40 Halte gingen Leute am Zug entlang, von denen du durchs Fenster Mangos, Bananen, Ananas, Kekse, Wasser, usw. kaufen konntest. Kleine Kinder kämpften um die leeren Plastikflaschen, die aus dem Fenster geworfen wurden.

 

Die Landschaft, die an uns vorbeizog, war inzwischen geprägt von der Regenzeit – statt braunen Steppen saftiges Grasland und statt kahlen Bergen urwaldartiger Bewuchs und immer wieder kleine Wasserfälle.

 

Es wurde Nacht und wieder Tag. Schlaf war dank Ohrstöpseln kein Problem. Den Tag über beobachteten wir die vorbeiziehende Landschaft spielten Karten oder gingen durch den Zug, wobei wir ein paar Freiwillige aus Zambia trafen. Gegen Abend fuhren wir dann durch den Selous Nationalpark (korrekterweise Selous Game Reserve glaube ich), d.h. angestrengtes Stieren nach Tieren. Tatsächlich entdeckten wir Affen, Giraffen, Zebras, jede Menge Antilopen und Büffel, außerdem kursierten Gerüchte von Löwen-und Elefantensichtungen.

 

Nach etwas mehr als 24 h Fahrt erreichten wir Dar es Salaam in der Abenddämmerung und quartierten uns in einem Hotel ein. Die nächsten Tage verbrachten wir damit, den Mädels, die noch nie in Dar waren, die Stadt zu zeigen, am Strand herumzuhängen und viel Juici (spottbilliger, frischgepresster Saft aus Mangos, Zuckerrohr, Ananas, Passionsfrucht oder Melone) zu trinken - bis es dann nach Sansibar weiterging.

Dar es Salaam bei Nacht, Blick aus unserem Hotelfenster
Dar es Salaam bei Nacht, Blick aus unserem Hotelfenster

Wohnen konnten wir dort im Haus einer Freundin unserer Mädels, die im Tourismusbereich arbeitet und noch drei Zimmer frei hatte. Von dieser leicht außerhalb Stonetowns gelegenen Unterkunft machten wir kleinere Trips: an den Strand eines Fünf-Sterne-Hotels, auf den Fischmarkt und natürlich in die historische Altstadt (Weltkulturerbe!), wo wir nicht nur shoppen gingen, sondern auch einer Führung über den ehemaligen Sklavenmarkt beiwohnten.

 

Nach längerer Debatte entschieden wir uns dann zu Silvester in den Norden zu fahren, wo eine riesen Party stiegen sollte, zu der fast alle Freiwilligen Ostafrikas kommen würden. Durch unsere Connections konnten wir uns dann sogar einen chiquen Minibus leihen, mit dem normalerweise Touris durch die Gegend kutschiert werden und so die 80 km gen Norden bequemer und flexibler als in einem Dalladalla hinter uns bringen. Die Party bildete dann letzten Endes den Höhepunkt der „Wazungu-Schocks“, ca. 1000 Leute, zu 90% weiß, auf einem Strandabschnitt mit Tanzfläche, Cocktailständen, Feuerwerk und mitternächtlichem im-Meer-baden.

 

Am nächsten morgen (der Bus wurde nämlich schon früh wieder von Anderen gebraucht) war Tobi Gott sei Dank in der Lage uns alle nach Hause zu bringen, da er einige Stunden geschlafen hatte – im Gegensatz zu den anderen Anwesenden.

 

In den folgenden Tagen in Sansibar-Town erholten wir uns ein wenig und ließen uns schließlich noch auf das Angebot einer „Spice-Tour“ ein. Über zwei Stunden durften wir an ca. 20 verschiedenen Gewürzen und Gewächsen, von Aloe Vera bis Zimt, schnuppern, knabbern und lecken. Man beachte die Bilder (auf denen nicht immer viel zu erkennen ist). Zusätzlich wurden wir mit tollem Kokospalmblätterschmuck (das Wort will ich im Duden!) verziert.

 

Dann war es soweit: die Zeit für unser Zwischenseminar war gekommen! An der Ostküste in einer sympathischen kleinen Lodge bei Paje sollten wir uns über fünf Tage mit anderen Freiwilligen austauschen, unsere Einstellung zum Dienst reflektieren und nicht zuletzt auch ein wenig Spaß und Erholung haben.

 

Die Teamer waren zwei ehemalige Freiwillige und eine Sozialpädagogin. Wir Freiwilligen waren insgesamt zu 18t, aus allen Ecken von Tansania und von verschiedenen Organisationen.

 

Hier jetzt auszubreiten, was so besprochen wurde ginge etwas zu weit, daher nur soviel: viele Diskussionen, gerade zu dem Thema „Wie ist Entwicklungshilfe sinnvoll und was ist überhaupt 'Hilfe' ?“ waren echt interessant und hilfreich. Wer noch n bissl mehr dazu erfahren möchte weiß ja, wie er mich erreichen kann!

 

Nach der Woche waren wir also wunderbar erholt und während fast alle anderen noch bis zu eine Woche nach dem Seminar auf Sansibar blieben, mussten Tobi und ich (fast) direkt zurück nach Mbeya.

 

 

Fast, denn auf dem Rückweg machten wir einen Tag Pause in Morogoro, wo Joseph, unser „alter Freund“ inzwischen zu studieren angefangen hatte. So haben wir noch ein bisschen vom Studentenleben in Tansania mitbekommen. Joseph studiert „Bachelor of Tourism and Environment“ an der Sokoine University, d.h. er wird voraussichtlich mal Touristenführer. Vorlesungen und Projekte sind von morgens bis abends um 10, wonach er jedoch oft noch etwas recherchieren und erarbeiten muss – das lockere Studentenleben aus Deutschland ist hier schwer vorstellbar. Wobei ich das ja auch erst noch kennen lernen muss :)

Erwähnenswert von der Rückfahrt ist höchstens der Teil der Fahrt, während dessen es regnete und dieser Regen nicht auf dem Busdach Halt machte, sondern sich durch verschiedene Ritzen drängte und auf uns, in der letzten Reihe, herabrieselte. Uäh!

 

Nach ca. 2 Wochen waren wir schließlich wieder in Mbeya.

Wer sitzt denn hier im Kofferraum?!
Wer sitzt denn hier im Kofferraum?!

Das Unterrichten

Teil unseres Schulwegs
Teil unseres Schulwegs

Und nun ging es endlich los! Zu unserer Rückkehr am 10.01 sollte der Computerunterricht schon seit eineinhalb Wochen laufen – Tami ein Uniabsolvent, der wohl auch irgendetwas Undefinierbares mit Computern studiert hatte und sehr kompetent ist, war vor unserer Abreise von uns eingewiesen worden. Tatsächlich hatte er immerhin zwei Tage unterrichtet, auf diese Weise wurde unser gemeinsames Gespräch über das, was er mit den Schülern bereits getan hatte auch eher kurz. Das lag jedoch nicht an ihm, doch dazu später mehr.

 

Und dann durften wir.

 

Vierzig erwartungsvolle Gesichter hinter Monitoren starren dich an. Kein Geräusch außer leisen Klack-Lauten vom Stromstabilisator, der die Netzteile der Computer entlasten soll. Luft holen.

 

Und dann deine Stimme.

 

Klingt dramatisch, was? :) War's eigentlich gar nicht so extrem... Wenn man sich erst mal an die eigene Stimme im großen Raum gewöhnt hat, wird man automatisch ruhiger und der Plan war für die ersten Stunden auch nicht sonderlich kompliziert:

 

Sich vorstellen. Erklären was man vorhat (Computer unterrichten). Und dann das An- und Ausschalten erklären.

 

Livemitschnitt (übersetzt und stark gekürzt, also doch nicht so live):

 

„Ups, also, der Knopf, um den Computer anzuschalten ist da – also da in der Mitte vom Computer halt - halt der große Knopf da! Ja und den Monitor muss man auch anschalten, ja, genau, das ist der Monitor und da ist auch ein Knopf, nee, nicht der links, ja, genau der.... Puh.

 

Ach stimmt, also das ist der Computer, der rechnet alles und das ist der Monitor, der zeigt nur das an, was der Computer gemacht hat. Und das ist die Maus, mit einem Linksklick wählt man etwas aus, guuut....“

 

Usw.

 

Überhaupt nicht so leicht sich in die Schüler hineinzuversetzen. Gott sei Dank lernen die meisten echt schnell und obwohl sie trotz Aufforderung nur ungern Fragen stellen, sprechen die ratlosen Gesichter immer eine deutliche Sprache, sodass wir meist merken, wenn wir nochmal etwas weiter ausholen müssen.

Der zukünftige Server, frisch aus Dar es Salaam
Der zukünftige Server, frisch aus Dar es Salaam

Wir haben unsere 10 Wochenstunden zwar aufgeteilt, doch bis jetzt eigentlich immer zu zweit unterrichtet. Einer redet vorne, der andere geht herum und hilft Einzelnen weiter. Inzwischen haben wir einen Server-Computer bekommen, den wir, nachdem wir ihn installiert haben, nun auch zum Vorführen nutzen können. Der gute, aber nur normal große Bildschirm ist nur leider nur für die vordersten Schüler einzusehen. Also erprobten wir eine andere Unterrichtsmethode.

 

Die großen Gruppen (Wir hatten nun im Unterricht Gruppengrößen zwischen 10 und 45 Schülern - an 20 PCs) wurden in zwei geteilt und sollten vor an unsere Vorführcomputer kommen, dort zeigten wir ihnen sehr ausführlich, was sie diese Stunde lernen sollten, dabei sollten sie mitschreiben, um es danach genau so an ihrem eigenen PC nachmachen zu können.

 

Insgesamt recht erfolgreich die Methode – sie hörten wirklich alle zu, anstatt sich von ihrem Monitor ablenken zu lassen und zudem konnten wir auf dem Vorführcomputer genau zeigen, was wir von ihnen wollten, anstatt umständlich zu erklären, wo sie jetzt an ihrem eigenen Computer klicken müssen. Problematisch war einzig, dass viele es nicht für notwendig erachteten mitzuschreiben und dann später am eigenen PC doch etwas ratlos waren. Also hieß es doch wieder herumgehen und Einzelerklärungen geben.

 

Kurz zur Verständigung mit den Schülern: das Englisch, das sie sprechen ist seht unterschiedlich manche sind sehr gut andere... nicht, hauptsächlich sprechen sie jedoch ein Englisch mit halbafrikanischer Grammatik. Verglichen zu mir Englisch-Abwähler haben viele einen sehr guten Wortschatz, verstehen aber viele Redewendungen und erst recht Computerbegriffe nicht. Schwierig wird es, wenn wir nicht wissen, ob sie etwas wegen der Sprache nicht verstehen, oder weil das Computerwissen fehlt.

 

Die Verständigung ist also nur durch langsames und wiederholtes Erklären gegeben und da Schüler hier, mehr noch als in Deutschland zu spät kommen (es gibt keine Pausen zwischen den Stunden) kamen wir bisher nur sehr langsam vorwärts.

 

Das ist insofern als problematisch anzusehen, da wir eh schon einen engen Zeitplan haben. Nachdem wir am 10.01 mit Unterricht angefangen hatten sollte am 12.02 die Prüfung für die Form VI stattfinden, für welche dieser Termin das Ende ihrer Schullaufbahn darstellen wird, da ihre Abschlussprüfung in der Woche vorher angesetzt sind. Und – richtig, wenn Prüfungen sind, ist natürlich kein Unterricht, sodass uns Netto 3 Wochen Zeit blieben, um etwas zu erarbeiten, was dann abgefragt werden kann.

Aber auch darauf wussten wir zu reagieren ;)

 

Auf 5 Seiten fassten wir zusammen, was wir in den verschiedenen Gruppen unterrichtet hatten und fügten immer wieder kleine Dinge hinzu, die man später gut abfragen kann. Diese Blätter wurden dann 150 mal kopiert und versucht an die Männer und Frauen zu bringen. Was so zu 50% gelang.

 

Denn nicht nur, dass wir wenige Stunden Unterricht hatten, manchmal kamen die Schüler auch einfach nicht und das lag nicht daran, dass sie es nicht gewusst hätten. Es handelte sich vielmehr um eine

 

Revolution

Widerstand gegen Computerunterricht gibt es schon seit wir hier sind. Schon in der ersten Versammlung, in der wir der Schule vorgestellt wurden entwickelte sich eine Diskussion zwischen ein paar Schülern und Mayunga, unserem Schulleiter, ob denn Computerunterricht wünschenswert sei. Damals erklärte uns Mayunga diese Einwände mit dem Wort „Technophobia“.

 

Diese Einwände kamen jetzt, wo der Unterricht losgehen sollte wieder auf und wurden nicht so leicht wieder zurückgezogen. Die Schüler hatten sich richtig organisiert und neben dem Boykott der Stunden auch Briefe an die Schulleitung und sogar ein höheres Bildungsministerium geschickt (in diesen soll allerdings auch die Rede von irgendwelchen Dämonen gewesen sein).

 

Da musste die Schulleitung reagieren. Und das tat der sonst so sanfte Mr. Mayunga auch – vor der versammelten Schule mussten sich die beteiligten Schüler entschuldigen und beteuern, wie sehr sie bereuen, was sie getan hatten. Dazu wurden die Eltern derer geholt, die ihr zu Hause nicht zu weit weg hatten, ein Vater hat sogar selbst eine Rede gehalten, bei der er allen Schülern ins Gewissen geredet hat. Die zwei Anführer, deren Eltern nicht der Meinung der Schulleitung waren, wurden von der Schule suspendiert, der Rest wurde mit Stockschlägen bestraft – zu unserem Schock. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir uns noch an einer der wenigen Schulen gewähnt, die ohne Schläge auskommt.

 

Wir selbst wurden aus dem Konflikt weitestgehend herausgehalten und fühlten uns damit auch recht wohl. Zu schwierig wäre ein Verstehen der Motive der Beteiligten. Über diese standen wir zu diesem Zeitpunkt auch weitestgehend im Dunklen. Im Laufe der Zeit bekamen wir dann immer mehr Infos. Als Motive zu nennen wären wohl:

 

  • Einige Schüler kennen sich mit Computern schon sehr gut aus, wollen dementsprechend keine Zeit, die sie zur Vorbereitung auf ihre Abschlussprüfung nutzen könnten, „verschwenden“.

  • Erst letzte Woche haben wir erfahren, dass die Schüler für den Computerunterricht bezahlen müssen. Umgerechnet 25€ pro Halbjahr. Nach Aussage des Schulleiters würden sie solche, die nicht bezahlen (können) allerdings auch nicht rausschmeißen.

  • Die schon erwähnte „Technophobia“

     

Wobei der erste Punkt wohl der wichtigste war. Nach diesen harten Maßnahmen kamen die Schüler dann auch wieder in den Unterricht und waren zu unserer Erleichterung auch keineswegs aufmüpfig oder verweigerten die Mitarbeit. Überhaupt habe ich die Auflehnung zu keinem Zeitpunkt als Auflehnung gegen uns Freiwillige empfunden, im Gegenteil, aus Interesse an uns, kommen sie eher noch gerne in den Unterricht. Und wenn mal wieder Stromausfall ist und man eh nicht an den PCs arbeiten kann, zeigen wir auch mal gerne Fotos von zu Hause, die immer mit riesiger Aufmerksamkeit betrachtet werden.

 

Und dann gab es ja auch noch die

Graduation

Die Schüler feiern hier nämlich schon vor ihren Prüfungen ^^

Vorbereiten durften wir auch ein wenig: 5 Schüler aus allem möglichen Klassen hatten sich freiwillig gemeldet, an der Graduation den Ehrengästen eine kleine Präsentation über Computer zu halten. Dafür mussten sie natürlich erst das Entsprechende lernen. Also nahmen wir uns an zwei

Nachmittagen etwas Zeit und erklärten ihnen, was wir so über das Innenleben eines Computers wussten.

 

Außerdem sollte ich mit meiner Digicam einen Schüler filmen, der die Wetterstation der Schule erklärt und das Video auf eine CD brennen. Hört sich alles nicht zu schwer an, aber durch zu alte PCs, komische Dateiformate und fehlende Laufwerke kann sich so was doch leicht in die Länge ziehen.

Eines schönen Samstags war dann also die große Zeremonie, hohe Gäste von anderen Schulen und verschiedenen Einrichtungen waren gekommen (der höchste Ehrengast war ein Bankmanager, der es schaffte wirklich alle mit seiner Rede zu langweilen, in Afrika eher selten) und ließen sich morgens die Schule zeigen.

 

Unter einem provisorisch gezimmertem „Zelt“ saß dann das Publikum, bestehend aus Schülern, Eltern, Geschwistern und Mitarbeitern der Schule. Das nun folgende Programm bot wieder alles, was eine Schule so zu bieten hat. Unterlegt von ohrenbetäubender Musik marschierten die Form VI Schüler ein, setzten sich hin und wedelten den anderen mit ihren weißen (von der Kirche gesponserten) Taschentüchern. Darauf folgten Reden von Headmaster und Direktor, das Vorstellen der Gäste und natürlich durften wir dann auch noch mal aufstehen und in die Runde winken.

 

Richtig lustig wurde es dann bei den selbstgeschriebenen Theaterstücken, die mit einigem Talent vorgetragen wurde. Die Handlung des einen Stückes erinnerte leicht an Begebenheiten an der Schule und wie zufällig hatte der Headmaster teilweise gleiche Eigenheiten wie Mayunga. Doch wie die meisten Tansanier, nahm er die Imitation seiner Person wunderbar selbstironisch hin. Ein anderes Stück handelte von einem Jungen, der gerade die Schule beendet hat und auf der Suche nach einem Job auf die schiefe Bahn gerät. Als Drogendealer wird er schließlich von der Polizei verhaftet und beschert seiner Familie großen Kummer. War echt toll anzusehen, mit welcher Begeisterung gespielt und zugeschaut wurde!

 

Etwas zäh wurde es dann als es zur Verleihung der ca. 50.000 Ehrenurkunden und Zeugnisse kam, vor allem, da man wusste, dass in den Räumen schon das Essen aufgebahrt wurde. Doch auch das ging vorbei und je mehr Hunger man hat, desto besser schmeckt es ja dann auch :)

 

Am Tag danach war dann die entsprechende Zeremonie an der Nachbarschule, wo auch viele Schüler und Lehrer hingingen, sodass insgesamt wieder zwei Tage weniger Unterricht war...

 

Vielleicht noch eine kurze Erklärung zur Rolle des Computerunterrichts:

 

Fast alle Schüler der Wenda werden auf die Uni gehen, wollen tun es alle. Auf den Unis, wird inzwischen erwartet, dass der Student mit einem PC umgehen kann, selbständig im Internet recherchiert, Hausarbeiten getippt abgibt. Deshalb ist es wichtig bei der Unibewerbung ein Zertifikat über Computerkenntnisse beizulegen. Obwohl viele Schüler privater High Schools aus der Mittel und Oberschicht kommen, haben nur die wenigsten einen Computer zu Hause, sodass es ein großer Vorteil ist, es an der Schule lernen zu können. Sprich, die Schulen, die einen Computerraum haben und Unterricht anbieten sind beliebter, steigen vermutlich auch im Ranking und können mehr Geld verlangen – sind konkurrenzfähiger, reicher Eltern schicken ihre Kinder zum Teil von weit her, um eine gute Bildung zu ermöglichen. Deshalb auch die starke Förderung dieses Fachs.

 

So viel zu unserer Schulleben, als Computerlehrer und Gast in einem fremden Land. Ein weiteres Ereignis, das ich jedoch wieder in einen neuen Artikel packen muss ist die Hochzeit unserer stellvertretenden Schulleiterin in Iringa.

 

Und nun nur noch der obligatorische „während ich das hier schreibe-Absatz“ :)

 

Während ich das hier schreibe, sitze ich im unserem inzwischen funktionierenden Computerraum, der nur leider wegen akutem Stromausfall gerade nicht funktioniert. Seit heute morgen um 9 bin ich hier, eigentlich hätte eine Gruppe noch Computerunterricht gehabt, aufgetaucht ist allerdings keiner. Stattdessen sind sie draußen auf dem Hof und putzen die Tische, die sie die nächste Woche für ihre Abschlussprüfung benutzen werden. Hatten wir eigentlich auch schon mit gerechnet und so hatte ich mich eher darauf eingestellt, im Computerraum herumzusitzen und Schüler zu beaufsichtigen, die in ihrer Freizeit am PC üben wollen (wir haben auf vielen PCs ein 10 Finger-Tipp-Programm installiert). Daraus ist bis jetzt nur auch noch nichts geworden, da der Strom immer noch nicht da ist. Stattdessen habe ich ein paar interessierten Schülern ein paar Wörter deutsch beigebracht, was mindestens genau so viel Spaß macht wie Computerunterricht!

 

In diesem Sinne:

 

Byebye = Tschüss

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Kommentare: 2
  • #1

    Rettum aus DH (Mittwoch, 09 Februar 2011 18:03)

    ... danke für die Bilder, die sich täglich vermehren. ... für die vielen Einblicke, die Lust machen, zu kommen ... Respekt für die Geduld und die Gelassenheit.

    Take care!
    R

  • #2

    valle (Dienstag, 24 Mai 2011 18:41)

    Hey Pascal,

    klingt super der Bericht, jetzt kannste auch sagen du weißt wie es ist sein Essen selbst 'zuzubereiten'.
    Echt geil, was du so machst/erlebst da unten und auch schön in textform gebracht, chapeau!
    Wann kommst du eigentlich wieder? Ich bin jetzt auch vom Reisefieber gepackt und mach vom Juli an drei Monate Backpacken in Argentinien. Vllt sieht man sich danach ja mal in good old Heidelberg :)
    Nun denn mach weiter so, Grüße! Valentin