9 Monate später

Zeit sich mal wieder zu melden! Viel ist passiert und das sollte ich nicht alles für mich behalten :)

 

Mein letzter Bericht endete mit der Beschreibung unserer Arbeit als Computerlehrer – diese wurde, bevor wir wieder Ferien hatten - noch von einem größeren Ereignis abgerundet: den Prüfungen! Die Schüler sollten am Wochenende vor ihrer Verabschiedung von der Schule (NICHT die Graduation-Feier) noch eine Computerprüfung ablegen, welche ihr Computer-Zertifikat legitimiert. Die Prüfung sollte auf Wunsch unseres Schulleiters sowohl praktisch als auch theoretisch ausfallen. Das stellte uns vor einige Probleme: Wie sieht eine praktische Prüfung für Schüler aus, die bisher nur in drei oder vier Unterrichtsstunden Kontakt mit einem Computer hatten? Wie sieht eine theoretische Prüfung für Schüler aus, die nur praktischen Unterricht hatten?

 

Nach drei Wochen Unterricht testeten wir unsere Schüler dann also mit diesen Prüfungen:

Theoretische Prüfung
ExamT.doc
Microsoft Word Dokument 34.5 KB
Praktische Prüfung
ExamP.doc
Microsoft Word Dokument 15.5 KB

Das Problem war dann noch, dass wir 140 Schüler an 20 Computer zu testen hatten, also in sieben Gruppen hintereinander. Pro Gruppe eine halbe Stunde für die Prüfung, fünf Minuten um aufzuschreiben welcher Schüler da und an welchem Computer ist und 15 min, um nach den Prüfungen zu jedem einzelnen Computer zu gehen, die Ergebnisse der praktischen Prüfung festzuhalten und den Computer gegebenenfalls wiederherzustellen.

 

Macht 50 Minuten pro Gruppe, 350 Minuten im Idealfall insgesamt nur für die praktische Prüfung. Und diese Zeit optimalerweise ohne Stromausfall...

 

Einen Ausweichtermin gab es nicht, da die Schüler von Montag bis Freitag ihre offiziellen Abschlussprüfungen hatten, Samstag dann die Computerprüfungen und Montag schon ihre endgültige Verabschiedung bevorstand.

 

Im Nachhinein kann ich sagen, dass alles dann doch recht gut funktionierte. Nach einigem Durcheinander, welcher Schüler zu welcher Zeit geprüft werde, kamen die Schüler einfach irgendwann, was ein wenig Verwirrung unter den Anwesenheitslisten auslöste. Aber wie durch ein Wunder kam der Stromausfall, den wir die Tage vorher immer schon Mittags hatten, diesmal erst am Abend, sodass die Prüfungen eine nach der anderen stattfinden konnten. Und durch Mithilfe der anderen Lehrer konnte auch die theoretische Prüfung, die alle Schüler gleichzeitig schrieben, koordiniert werden.

 

So ging schließlich ein sehr langer Tag zu Ende und mit der Dämmerung stellte sich das gute Gefühl ein endlich mal richtig was geschafft zu haben.

 

Interessant war es, die Schüler in ihrer finalen „Abi“-Zeit zu erleben, an die ich mich ja noch so gut erinnere, die mir selbst aber schon wahnsinnig weit weg vorkommt.

Eine Hochzeit

(von der es leider keine Photos gibt, da meine Kamera kaputt war)

 

In die Zeit der Vorbereitung unserer Prüfungen spielte noch ein weiteres Ereignis mit hinein. Wir waren auf eine Hochzeit eingeladen. Genauer gesagt auf eine „Send off“ Party, auf welcher die stellvertretende Schulleiterin, die zufällig aus der Familie des Direktors stammt, von dieser verabschiedet wird, da sie von nun an mit ihrem Mann leben wird.

 

Während Tobi zu Hause blieb, um nicht noch mehr Unterricht für die Schüler ausfallen zu lassen, bestieg ich also mit der halben Schulbelegschaft einen gemieteten Bus und fuhr nach Iringa.

 

Die Fahrt ging morgens um fünf los, aber ich schien der einzige im Bus zu sein, der daraus den folgerichtigen Schluss zog und die Fahrt über immer wieder einschlief. Für einen dauerhaften Schlaf war die Stimmung einfach zu ausgelassen...

 

Gegen elf kamen wir schließlich in einem kleinen Dorf in der Nähe Iringas an. Nach einigen Problemen, da es in Iringa kein Benzin gab, waren wir im Heimatdorf von Mwampoma, dem Direktor unserer Schule angekommen. Dort wurde zuerst die Verwandtschaft begrüßt und das muss man sich etwas anders in Deutschland vorstellen: die „extendet family“ in diesem Fall umfasste anscheinend das halbe Dorf. Meine Lehrerkollegen und ich drehten Runden durch den Hof des Anwesens, die Innenräume und angrenzende Gebiete wo jeweils artig Hände geschüttelt und der „Mzungu“ vorgestellt wurde. Der Höhepunkt war schließlich die Begrüßung Mwampomas Mutter. Als Mutter mehrerer sehr erfolgreicher und auch schon nicht mehr junger Männer, hat sie die höchste Position in der hier so wichtigen Familienhierachie inne. Es war erstaunlich mitanzusehen, wie all die respektablen älteren Männer zu ihr gingen und sie ehrfürchtig grüßten.

 

Nach der Begrüßung wurde die Braut in die Kirche geführt, in afrikanischem Stil: sie saß mit einer Freundin, die sie die ganze Zeremonie begleiten sollte, im Auto, während Familie und Freunde das Auto einschlossen, ausgelassen sangen, schrien und zu den Trommeln tanzten.

 

Auch wenn so etwas wunderschön anzusehen ist und einen berührt, so merkt man doch dadurch auch, dass man eben kein Afrikaner ist und nicht so perfekt hier herein passt – man ist halt nur Gast.

 

Nach dem Gottesdienst, an welchem die Braut und Freundin auf einer extra Bank direkt vor dem Altar teilnahmen, ging es zur eigentlichen großen Feier. In einer Priestermission in der Nähe wurde eine turnhallengroße Festhalle angemietet, wo sich am Abend die Familien von Braut und Bräutigam versammelten. Unterlegt von ohrenbetäubender Musik führte ein Moderator mit sehr lauter Stimme durchs Programm. Es gab Geschenke, die nach Bekanntenkreis geordnet in tanzenden Schritten nach vorne getragen und überreicht wurden. Da die gesamte Zeremonie in gebrüllten Swahili abgehalten wurde, hatte ich nicht immer der kompletten Überblick, was gerade geschah. So dachte ich dann, als mein Kollege neben mir aufstand, es wäre jetzt an der Reihe für die Wenda High School, nach Vorne zu tanzen und Glück zu wünschen. Ich ordnete mich also in die tanzende Reihe ein und bemerkte erst etwas spät, dass ich der einzige von uns war - der Lehrerkollege hatte nur ein bekanntes Gesicht gesehen und mir ihm reden wollen! Sprichwörtlich „aus der Reihe“ wollte ich dann aber auch nicht tanzen und so folgte ich der Prozession, obwohl es für jeden offensichtlich war, das ich mich vertan(zt) hatte, wurde getan als wäre nichts. Niemanden bloß zu stellen, ist hier sehr wichtig.

 

Schließlich waren wir dann wirklich dran und nach meinem Soloauftritt fühlte ich mich einiges sicherer und fand richtig gefallen daran :) Bis spät in die Nacht gab es Reden, Witze, Gesänge und schließlich das Festessen (wegen dem vermutlich die Hälfte der überfüllten Halle überhaupt hier war). Da der Schlaf im Bus nicht wirklich erholsam war, hielt mich nur mein Hunger davon ab, nicht einzuschlafen.

 

Die Nacht wurde in dem Haus irgendeiner Organisation verbracht, bei der Mwampoma wohl auch eine Stellung inne hat und ich schlief mit den Arbeitskollegen auf einem Matratzenlager auf dem Boden. Aber nicht zu lange, denn am nächsten Morgen ging es früh wieder zurück...

 

Am nächsten Morgen begann ich langsam die tatsächliche Tragweite der tansanischen Freundlichkeit und des harmonischen Zusammenlebens zu begreifen. Insgesamt sieht man Tansanier nur selten öffentlich Streiten – und wenn, dann ist dies nie ein Affront gegen den Streitpartner. Es ist sehr wichtig, dass niemand öffentlich bloßgestellt wird. Man könnte es vielleicht so ausdrücken, dass Tansanier sehr harmoniebedürftig sind...

 

So machten sie selbst nach durchzechter Nacht und wenigen Stunden Schlaf Witze und es herrschte grundlos-gute Stimmung. Auch auf der Rückfahrt war ich wieder der einzige, der es nicht schaffte wach zu bleiben, was von den anderen freundlich/neckend kommentiert wurde. Was brauchen die Menschen hier aber auch wenig Schlaf!

 

Eine weitere Probe für die gute Laune ließ nicht lange auf sich warten – kurz vor Iringa war der Sprit leer. Abschleppversuche scheiterten an zu schwachen Seilen und so warteten wir eine Stunde in der Pampa, bis Benzin aus Iringa geholt wurde.

 

Kurz darauf verabschiedete ich mich von meinen Kollegen, da ich in Iringa ein paar andere deutsche Freiwillige treffen wollte. Ich traf sie dann wirklich aber ging erst mal schlafen...

 

Auf dem Rückweg von Iringa nach Mbeya saß ich im Bus neben einem älteren Afrikaner, der überraschend gut Englisch sprach. Er erzählte von mir von seiner Arbeit und gab mir seine Telefonnummer. Und die Geschichte, die hiermit begann hat sogar eine eigene Rubrik bekommen - das „Waisenkinderprojekt“!

Die Ferien

Doch dann hatten wir erst mal Ferien und zwar richtig lange. Das Schuljahr der Oberstufenschüler (Form V + VI) endete, es gab eine kleine Verabschiedungsfeier und dann wurde die Schule geschlossen. Zeit das Land noch ein wenig besser kennen zu lernen!

 

Zudem stand ich seit längerem mit meinem Onkel in Deutschland in Kontakt und half ihm bei seiner Vorbereitung – er wollte mich nämlich besuchen kommen!

 

Ich genoss also eine weitere Zugfahrt nach Dar es Salaam, wo ich meinen Onkel abholen wollte. Am Bahnhof in Mbeya waren außer mir noch andere „Wazungu“ - drei deutsche Mädels waren auch auf dem Weg nach Dar und eine kam sogar aus Heidelberg! (Ich kannte sie trotzdem nicht...)

 

In Dar hatte ich dann noch genug Zeit, den Dreien ein wenig die Stadt zu zeigen, bevor mein Onkel schließlich ankam. Ein wenig komisch war es für mich dann schon, an den Ort zurückzukehren wo für mich alles angefangen hatte. Der Ort, der mit einem halben Jahr Abstand plötzlich ganz anders wirkt.

 

Mein Onkel kam dann tatsächlich aus dem Flughafengebäude und nach einem schönen Wiedersehen konnte ich ihn gleich ein wenig mit meiner Ortskenntnis beeindrucken. Wirklich feste Pläne hatten wir nur für die ersten Tage gemacht und so gönnten wir uns erst ein wenig Ruhe in Dar ehe es los ging.

 

Unser erster Trip führte uns nach Mafia Island, einer Insel südlich von Sansibar, die touristisch nur wenig erschlossen ist und die zu bereisen mich ein FAZ-Artikel motiviert hatte. Da die Insel über den Seeweg nur schwer zu erreichen ist, spendierte mein Onkel einen Flug, den ich natürlich nicht ausschlagen konnte :)

 

So spektakulär wie man sich den Flug in einer einmotorigen Cessna vorstellt, war es dann doch nicht. Der Flug war recht ruhig und nach einer dreiviertel Stunde landeten wir auf einer Sandpiste nahe des Hauptdorfes der Insel.

 

Von Freunden hatten wir die Whale Shark Lodge empfohlen bekommen, welche die einzige an der Westküste der Insel und somit außerhalb des marinen Nationalparks ist. Um es kurz zu machen, es war wirklich schön, wir waren zum Teil Touristen, als wir schnorcheln gingen, oder – was wirklich beeindruckend war – in Armeslänge von Walhaien entfernt schwammen. Dann machten wir aber auch mal eine Fahrradtour, anstatt uns fahren zu lassen, oder aßen in den lokalen Essstuben, anstatt uns in der Lodge bedienen zu lassen.

Schließlich sollte es wieder zurück gehen, doch diesmal per Boot. Es kam tatsächlich, legte auch nur wenig verspätet ab und nach 4 Stunden waren wir wieder am Festland. Das Festland war in diesem Fall nur nicht Dar, sondern ein kleines Dorf in dem Delta des Rufiji Rivers. Nun lernte mein Onkel also auch mal die raue Wirklichkeit einer tansanischen Dalla-Fahrt kennen und ich muss sagen er hat sich wacker geschlagen. :)

 

Als nächstes sollte mein Onkel Mbeya, Mbalizi und meinen Einsatzort kennen lernen, also nahmen wir einen Bus und waren 13 h später in Mbeya. Nun wurde die Schule, der Ort mit Markt und allem Drum und Dran vorgestellt und dann mussten wir doch langsam mal Pläne machen, wie es weitergehen sollte. Wir hatten uns schon darauf geeinigt, dass wir beide auch noch alleine ein wenig reisen wollten und so blieb uns nicht mehr all zu viel Zeit für das, was wir jetzt noch vorhatten: eine Fahrt und Wanderung zum Ngozi Kratersee und nach Matema Beach am Malawi See.

 

Wir bekamen also ein Auto und machten uns auf den Weg. Der Kratersee liegt nicht weit von der Straße nach Matema und so brauchten wir nur die Abzweigung finden. Nur...

 

Nachdem wir einmal daran vorbeigefahren waren, fanden wir sie dann doch und der Weg, dem wir nun folgten war kaum noch ein Feldweg. Als der Guide, den wir unterwegs aufgesammelt hatten uns sagte, wir sollten auf einen noch kleineren Weg abbiegen, waren wir uns schon nicht mehr so sicher, aber gut, es ist Regenzeit und viele Touristen gibt es hier sicherlich nicht, also brauchten wir wohl nicht mit einer gut ausgebauten Straße mit Souvenirshop am Ende zu rechnen. Die Straße wurde enger, dunkler und rutschiger, dann kam ein Stück, das zudem noch wirklich steil nach unten ging. Umdrehen war nicht möglich und so rutschten wir es halt herunter. Ab diesem Punkt hatte ich Angst, dass wir den weg zurück nicht mehr schaffen würden und das (geliehene) Auto dem Urwald überlassen müssen.

Schließlich kamen wir zu einer kleinen Lichtung, wo wir wenden konnten. Ab hier ging es dann zu Fuß den Berg hinauf. Nach einer Stunde Wanderung erreichten wir den Kraterrand und ein surreales Bild bot sich uns. Weit unter uns schnitt die glatte Wasseroberfläche den steil abfallenden Urwald plötzlich ab. Der Abstieg dort hinunter wäre wohl nur mit professioneller Kletterausrüstung möglich gewesen und so verzichteten wir auf ein Bad.

Zurück beim Auto fanden wir nach langem suchen endlich den Vierradantrieb und schafften damit Gott sei Dank doch den Rückweg zur großen Straße. Von nun an ging es weiter gen Süden und gerade rechtzeitig bei Einbruch der Dunkelheit erreichten wir unser Ziel – den Traumstrand Matemas. Viel Zeit hatten wir leider nicht, denn schon am nächsten Tag mussten wir wieder zurück.

 

Nun hieß es Abschied nehmen, mein Onkel würde nun in den Norden Reisen, die Serengeti, den Ngorongroro Krater und Sansibar sehen und für mich ging es wieder in den Süden, nach Malawi.

Malawi

Ich packte also meine sieben Sachen und fuhr einfach drauf los. Kurz vor der Reise hatte ich glücklicherweise noch einen zerfledderten Lonely Planet von Malawi gefunden, den ein Couchsurfer bei uns gelassen hatte. Das brachte mich dann auch auf die Idee nach Couchsurfern in Malawi zu suchen und so schrieb ich deutsche, italienische und amerikanische Freiwillige an, ob sie ein Bett für mich frei hätten.

 

Meine erste Station war Karonga, die erste Stadt hinter der Grenze mit ATM. Ich kam abends an und fuhr morgens weiter. Erster Eindruck: etwas ruhiger als Tansania, etwas weiter entwickelt, was das allgemeine Stadtbild angeht und deutlich teurer, vor allem das Benzin und somit auch die öffentlichen Verkehrsmittel.

Das Ziel für nächsten Tag war Livingstonia, eine alte britische Koloniestadt auf einem Plateau direkt am See. Ich hatte mich schon auf eine dreistündige Wanderung in der Mittagshitze eingestellt, da es keine Busse hoch den Berg gab, als ich gerade an der Kreuzung von einem großen weißen Landrover überholt wurde. Er hielt dann tatsächlich sogar von sich aus an, um mir eine Mitfahrgelegenheit anzubieten, die ich dankend annahm. Meine Wohltäter waren drei holländische Ärzte, die in verschiedenen Krankenhäusern in Malawi Ärzte weiterbildeten.

 

Nach zwei Dritteln der Strecke bogen sie dann jedoch ab, um zu ihrem Campingplatz zu kommen. Ich war keine Minute gelaufen, als von hinten ein weiteres Auto kam. Diesmal sogar zwei Deutsche, welche die ganze Strecke von Deutschland nach Malawi auf dem Landweg zurückgelegt hatten. Im Auto war leider überhaupt kein Platz, da sich Taschen, Zelt und Schlafsäcke bis zur Decke stapelten, sodass ich kurzerhand auf dem, auf der Motorhaube montierten, Reserverad Platz nahm. (davon habe ich leider kein Photo...)

 

Und so gelangte ich nach Livingstonia, ein dann doch eher langweiliges Dörfchen mit Kirche, Museum und einigen ehrwürdigen Backsteinbauten.

Übernachten wollte ich in der sogenannten „Mushroom Farm“, welche laut Reiseführer Aussichten bietet die einen „smack in the face“ umhauen würden. Auf dem Weg dorthin besichtigte ich noch den Wasserfall, von dem ich eigentlich kaum etwas erwartet hatte und so dann doch etwas überrascht war, als ich an der Klippe stand, die über 100 Meter in die Tiefe abfiel und nicht einmal mit einem Zaun oder Ähnlichem gesichert war...

Schließlich bei der Mushroom Farm angekommen lieh ich mir ein Zelt und baute es direkt am Rande des Plateaus auf. Die Aussicht war wirklich der Hammer, aber überzeugt Euch selbst.

Als ich an diesem Abend an den Tag zurückdachte, musste ich zugeben, dass es ein wirklich guter gewesen war - nicht nur die unverhofften Bekanntschaften und Mitfahrgelegenheiten, auch die Aussicht hier und die netten Betreiber der Farm waren toll. Meine Laune konnte durch nichts mehr getrübt werden.

 

Außer durch ein schnell aufziehendes Gewitter und ein undichtes Zelt...

Am nächsten Morgen ließ ich meine Klamotten erst noch trocknen bevor ich mich an den Abstieg machte. Meine Pläne führten mich nach Nkatha Bay, einen verhätnismäßig touristischen Ort am See. Dort hielt ich mich für zwei Tage entspannten Schnorchelns und ruhigen Abenden auf, bevor ich mit einer Schwedin, die ich dort kennen gelernt hatte, weiter nach Monkey Bay, am Südzipfel des Sees und schließlich Cape Maclear reiste. Auch dort verbrachte ich zwei ruhige nette Tage, doch dann wurde es mal wieder Zeit für ein bisschen mehr Abenteuer. Was nicht meine Meinung war, sondern wohl die einer höheren Gewalt. Denn kaum hatte ich den Pickup bestiegen, der mich vom abgelegenen Cape wieder in die Zivilisation bringen sollte, ging selbigem der Sprit aus.

Da begriff ich den Wink und entschied mich, nicht wie die anderen Fahrgäste auf ein vorbeikommendes Fahrzeug zu warten, sondern mich zu Fuß auf den Weg zu machen. Ich wusste Monkey Bay in etwa 15 bis 20 km Entfernung und der letzte Teil der Strecke ist sogar eine asphaltierte Straße mit sicherlich jeder Menge Fahrzeugen, die einen mitnehmen können.

Ich marschierte also los, genug Zeit hatte ich ja, es war ja gerade erst Mittag... Mittag... Hmm, ganzschön heiß mittags.... Mal sehen Sonnencreme? Ahh, genau, die war leer.... Wasser? Hmm, auch leer. Läden am Straßenrand? Auch nix, alle paar Kilometer ne Lehmhütte. Tja, dann wird das jetzt so ein spiritueller Nahtod-Erfahrungs-Trip...

 

Doch mein Körper hielt ganz gut durch, nach zweieinhalb Stunden Staub, kahle Bäume, knallende Sonne und erstaunter afrikanischer Gesichter erreichte ich noch gut bei Bewusstsein die Straße, von wo aus ich mich das letzte Stück fahren ließ.

 

Am nächsten Tag ging es für mich weiter nach Süden, ich hatte von deutschen Freiwilligen aus Zomba eine Einladung bekommen. Diese hatten schon vier Personen beherbergt, die später auch bei uns übernachten sollten.

 

Nach einigen Verwirrungen fand ich ihr Haus dann doch noch und wurde wirklich nett empfangen. Die nächsten Tage zeigten sie mir ihre Arbeitsstelle, eine Art Jugendhaus mit Band, Theatergruppe aber auch Aufklärungsprojekten, die Stadt und den botanischen Garten der damals von den Briten angelegt wurde.

Und dann ging es auch schon wieder weiter. Das Zomba Plateau wartete auf mich. Eine Tageswanderung später war ich oben und fand mich fast an einen deutschen Wald erinnert, sogar die Temperatur passte. Ich genoss die Menschenleere und machte kleinere Wanderungen, bis es schließlich Zeit wurde, die Reise Richtung Norden und somit nach „Hause“ anzutreten.

Für den Rückweg hatte ich etwas Besonderes vor: die Ilala Fähre. Das Schiff das innerhalb einer Woche einmal den See hoch und runter fährt. Leider nicht gerade billig, da gerade privatisiert worden, fing ich es in Monkey Bay ab und schipperte 48h lang bis nach Nkatha Bay zurück. Gleich in Hafen lernte ich ein kanadisches Pärchen kennen, die mir später noch sehr aus der Patsche helfen sollten. Das Schiff bietet drei Klasse an: die erste war schweineteuer, da man eine der sechs Kabinen hat, die zweite war mittelteuer, man übernachtet auf Deck und die dritte ist billig, eng stickig, neben dem Maschinenraum und man darf nicht mal hoch aufs Deck oder an die Bar.

Ich entschied mich für die zweite Klasse, wurde noch von einem afrikanischem Fernsehsender interviewt, lieh mir eine Matratze und verbrachte also die Nacht im Freien. Der See war ruhig und der Himmel klar, wunderbar :)

 

Am nächsten morgen war der Sonnenaufgang überwältigend!

Nachts hatte das Schiff gehalten und auf dem Deck erwachten am nächsten Morgen ein französisch Pärchen mehr, als am Abend eingeschlafen war. Die vielen Stunden auf Deck verbrachte ich hauptsächlich damit, zu lesen, mich mit den Kanadiern und Franzosen zu unterhalten und vor der knallenden Sonne zu flüchten. Abgesehen von den eben erwähnten Personen gab es auch eine Reihe von älteren Reisenden, ein Schwede, ein Deutscher, und ein britisches Pärchen. Die britische Frau erzählte allen, die sie in die Finger kriegen konnte und die Englisch verstanden, dass sie vor 40 Jahren schon mal mit dem Schiff gefahren sei. Ob ich das auch mal tun werde...? :)

 

Wie schon erwähnt, war die Fährgesellschaft gerade aufgekauft worden und deshalb befand sich das Schiff gerade im „Restaurierungsverfahren“, welches so aussah: Auf Deck und meistens an der Bar waren drei Portugiesen, die neuen Besitzer, welche das (afrikanische) Personal zum Teil barsch herumkommandierte und schon mittags mit trinken anfing. Der Chef, welcher der Älteste der Dreien war, konnte nicht einmal Englisch, geschweige denn Chichewa (die Landessprache Malawis). Nicht schön mitanzusehen... -.-

 

Am zweiten Abend legten wir erst an der Küste Mosambiks an, bevor wir die Chance bekamen Likoma Island zu betreten. Das Schiff hielt sich hier mehrere Stunden auf und so konnten wir an Land gehen und die alte koloniale Kathedrale bestaunen, welche inmitten der Lehmhütten unglaublich fehl am Platz wirkte.

Als wir wieder auf dem Schiff waren, fing es an zu regnen. Was sich die nächsten Stunden abspielte, war das heftigste und schönste Gewitter, das ich je gesehen habe. Und wir waren mitten drin. Die Blitze gingen nicht von oben nach unten, sondern horizontal über den Himmel. Und das so langsam, dass man ihre Ausbreitung regelrecht verfolgen konnte. Das Schiff begann langsam zu schaukeln und Tonnen von Regen peitschten auf das Deck. Nicht so schön, wenn man dort eigentlich schlafen sollte...

 

Anfangs fand ich im Bordbistro Schutz, wo ich zwar nicht aß (das Essen nahm ich unter Deck zu mir, bei der dritten Klasse) aber es trocken war. Und für die Nacht boten mir die Kanadier Platz in ihrer Kabine an, was wirklich meine Rettung war.

 

Am nächsten Morgen erreichten wir Nkatha Bay und durch eine glückliche Aneinanderreihung von schnellen Busfahrten schaffte ich es an einem Tag zurück nach Mbeya, wo unser Mentor von IB aus Deutschland gerade angekommen war.

 

Zurück zu "Hause"

In den nächsten Tagen ging es deshalb darum, ihm unsere Projekte vorzustellen, unsere eigenen Meinungen und Erfahrungen mitzuteilen und mit unserem Schulleiter und Direktor gemeinsam Gespräche zu führen. Ich war positiv überrascht, wie gut er sich in unsere Situation herein denken konnte und verständnisvoll auf unsere Probleme reagierte. Schön war es zudem, dass er nicht in einem Hotel abstieg, sondern es vorzog in unserem „Gästezimmer“ (ein Raum mit einer Matratze) zu übernachten. Auch er war sehr angetan von unserem Projekt und den Verantwortlichen vor Ort. Der Besuch also durchweg erfolgreich. :)

 

In den nun folgenden Wochen genossen wir den Rest unserer Ferien und bereiteten uns langsam auf die Wiederaufnahme des Unterrichts vor. Wie sich schließlich herausstellte hatten wir noch nicht genug afrikanische Lebensart in uns aufgenommen, um uns wirklich langsam genug auf den Unterricht vorzubereiten... Wir hatten schon neue Listen für die verschiedenen Computergruppen vorbereitet, doch selbst zwei Wochen nach Schulbeginn kamen noch neue Schüler und Lehrer an die Schule und es stand noch kein fester Stundenplan.

 

In dieser Zeit haben wir ein bisschen die Computer auf Vordermann gebracht und beherbergten jede Menge Couchsurfer, unter anderem zwei Pärchen, die mit dem Fahrrad unterwegs waren. Sie waren jeweils in Europa losgefahren und strampeln seit grob einem Jahr Richtung Kapstadt. Man kann schon verrückte Sachen machen.... Wobei ihre Erzählungen wirklich Lust auf so etwas gemacht haben. Man ist nah an den Menschen, kommt mit ihnen auch in Kontakt, sieht viele verschiedene Länder und reist sogar relativ billig (mit Zelt).

 

Naja, inzwischen hat der Unterricht wieder richtig angefangen. Wir unterrichten jetzt ca. 350 Schüler in 12 Gruppen. Was dieses Jahr neu ist, weswegen es hundert Schüler mehr sind als letztes Schuljahr, ist die neue Form One (entspricht der Klasse 8), die jetzt auf die Schule gekommen ist. Damit sind dann doch kleinere Probleme verbunden, vor allem, da sie oft nicht wirklich gut Englisch sprechen und unser Kiswahili für den Unterricht kaum ausreicht. Doch dafür merkt man deutlich, dass es für sie einfacher ist, den intuitiven Umgang mit dem Computer zu lernen und viele sind so motiviert, dass sie Nachmittags in den Raum hereinstürmen, um zu üben.

Anfangs haben Tobi und ich noch zu zweit alle Gruppen unterrichtet, doch jetzt wurde es Zeit sie mal aufzuteilen, sodass wir jetzt in der Regel alleine unterrichten und manchmal etwas länger schlafen können... :)

 

Worauf wir weiterhin warten, sind LAN Kabel, damit wir endlich mal ein Netzwerk einrichten können (falls wir es denn dann können, im Moment sind wir uns da ja nicht so sicher), jedoch haben wir in einem sehr offenen Gespräch mit unserem Schulleiter erfahren, dass er erst auf das Schulgeld der neuen Schüler warten muss, bevor er neue Anschaffungen machen kann – immerhin mal eine klare Ansage.

 

Was gibt es sonst noch Neues? Der IB hat bisher erst drei unserer fünf Nachfolger gefunden. Das heißt, es werden weitere gesucht! Wenn also irgendjemand bei der Lektüre meines Blogs Lust bekommen hat, es mir nachzutun oder jemand kennt, ist er oder sie herzlich eingeladen, sich mit mir in Verbindung zu setzen oder sich direkt beim IB zu bewerben! Es wäre eine Schande, wenn unser Projekt nicht weitergeführt werden könnte...

 

Doch jetzt will ich noch einmal zu der neuen Rubrik „Waisenkinderprojekt“ zurück kommen. Wie erwähnt habe ich die Bekanntschaft mit Emmanuel gemacht, der hier in Mbeya ein lokales Hilfsprojekt leitet. Kurz gesagt sind es Pastoren, die in verschiedenen Gemeinden bedürftigen Menschen, hauptsächlich Waisenkindern, helfen. Ich habe mit ihm geredet und selbst mal eines dieser Center besucht, um die Arbeit besser kennen zu lernen und ich kann sagen, dass ich das Projekt für sehr unterstützenswert halte. Alles Weitere, Photos, Einzelheiten also nun unter „Waisenkinderprojekt“!

In diesem Sinne, machts gut im schönen Deutschland, oder wo auch immer Ihr gerade seit!

 

Pascal

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