Emmanuel hatte mich und meinen Mitferiwilligen Tobias eingeladen an einem Dienstag mit ihm und anderen Pastoren das Center in der Nähe Tukuyus zu besuchen. Ein paar Tage vorher hatte ich ihn in der Stadt getroffen und seine Vorbereitungen auf solch ein Treffen mitverfolgen können.

 

Er hatte Pastor Edson, der Pastor der Gemeinde in Katabe bei Tukuyu, eingeladen, um mit ihm die Finanzierung zu besprechen. Gemeinsam stellten sie eine Liste auf:

 

Essen (Reis, Bohnen, Fleisch, Feuerholz, Gemüse, Öl)

107.000 Tsh

 

Transport (Anreise der Pastoren in geliehenem Minibus)

95.000 Tsh

 

15 Schuluniformen (Voraussetzung zum Besuch der eigentlich kostenlosen Grundschule)

150.000 Tsh

 

Getränke (Softdrinks und Wasser)

70.000 Tsh

 

Anreisekostenerstattung für Pastor Edson

10.000 Tsh

 

Klamotten (Kangas für die Witwen)

45.000 Tsh

 

Kleine Entlohnung für die 6 Köchinnen

12.000 Tsh

 

Summe

489.000 Tsh - entspricht etwa 220 € (1 Euro = 2200 Tansanische Schilling)

 

150.000 Tsh kamen aus der eigenen Tasche von Emmanuel, der Rest von anderen Pastoren und aus deren Gemeinden.

 

Diese Rechnung ist beispielhaft für den Besuch eines Center, in diesem Fall wird mit 120 Personen gerechnet, darunter Waisenkinder, Witwen, Pastoren, Köchinnen und Tobi und ich)

 

Das Geld für Essen, Trinken und die Anreise von Edson wurden diesem direkt ausgehändigt, damit die Verpflegung gleich im Dorf eingekauft werden kann. Die Uniformen und Kangas kaufte Emmanuel direkt in Mbeya und brachte sie dann mit.

 Am Tag des Besuches dann holte er Tobi und mich in der Stadt ab. Es war ein Dalladalla (öffentlicher Minibus) gemietet worden, in dem nach und nach die verschiedenen Pastoren und z.T. deren Frauen zusammentrafen. Unsere Fahrt führte von Mbeya aus in Richtung Süden, auf der Straße nach Malawi. Nach zwei Stunden bogen wir von der Hauptstraße ab, und bewegten uns tiefer ins unerschlossene Hinterland vor. Die Straße wurde zu einem Weg und schließlich zu einem dünneren Spalt zwischen Büsche. Im Reiseführer würde eine solche Straße vermutlich nur für Vierradfahrzeuge empfohlen werden, doch unser Minibus schaffte es irgendwie auch. Und schließlich waren wir da. Also erst mal waren wir noch nirgendwo, wir stiegen nur aus.

 

Zu Fuß ging es dann ein wenig den Berg herunter, an kleineren Bananenplantagen und einzelnen Lehmhütten vorbei. Personen kamen schon aus allen Ecken angelaufen, Besuch ist selten in dieser Gegend und „Wazungu“ (Weiße) waren hier vermutlich noch nie vorbei gekommen.

 

Dann kamen wir zu der „Kirche“, einem halb eingestürzten etwas größeren Lehmbau. Das Dach bestand aus einer blauen Bauplane und die Bänke für die Gemeinde waren auf Steine gelegte halbe Baumstämme. Die Nachricht unserer Ankunft verbreitete sich schnell und nach und nach füllte sich der Raum. Tobi und ich bekamen zwei Sitzplätze vorne bei den Pastoren zugewiesen.

 

Die Zeremonie begann, wie so viele afrikanische Feste, mit einer kurzem Ansprache und anschließenden Liedern. Lieder heißt: ein Mann holt irgendwo eine Trommel hervor, trommelt. Der Pastor vorne singt eine Liedzeile vor und der ganze Raum kann plötzlich das Lied und singt mindestens dreistimmig begeistert mit. Das ist Afrika…

 

Anschließend werden die Schuluniformen verteilt. Emmanuel hatte sich mit dem Pastor des Dorfes abgesprochen wer nächstes Jahr zur Schule gehen könnte und dementsprechend eingekauft. Die Namen der Glücklichen werden einzeln vorgelesen, die zukünftigen Schüler kommen nach vorne, ich mache Fotos. Anschließend werden sie rausgeschickt, um sich umzuziehen – ein Foto in voller Montur darf nicht fehlen.

 

Während sich die Kinder umziehen werden wir vorgestellt und es wird eindrücklich erklärt was für ein großes Glück es sei uns als Gast zu haben. Emmanuel ist zwar etwas angeschlagen, gibt sich aber beste Mühe simultan zu übersetzen, damit wir auch mitbekommen, was erzählt wird.

 

Nun ist Bescherung für die Witwen. Diese bekommen traditionellerweise Kangas, die typischen farbenfrohen Tücher, mit denen sich tansanische Frauen kleiden, geschenkt. Ihnen fällt das nach vorne kommen nicht mehr so leicht, wie den Kindern und doch bekommen sie alle noch den traditionellen Knicks zur Begrüßung hin.

 

Jetzt ist es Zeit für diverse Gruppenfotos, auf denen auch wir natürlich nicht fehlen dürfen und dann Essenszeit. Tobi und ich durften uns noch schnell die „Küche“ angucken.

 

Die Küche ist eine „Küche“, weil sie nicht ganz unserem Verständnis einer Küche entspricht. In einer länglichen Lehmgrube unter freiem Himmel heizen glühende Äste die riesigen, quasi auf dem Boden stehenden Töpfe ein. Die Kochlöffel sind länger als mein Arm... Zwei der Töpfe sind mit Reis gefüllt, einer mit Bohnen und einer mit Rindfleisch in tomatiger Soße. Die Köchinnen präsentieren sich stolz bei ihren Töpfen.

 

Und dann wird das Essen aufgetischt (bloß ohne Tisch). Teller hat Emmanuel genügend mitgebracht und diese werden erst einmal alle gefüllt. Etwa hundert Mäuler gab es zu stopfen und die dafür notwendigen Teller wurden auf dem Boden verteilt, bis genug für alle gefüllt waren. Man konnte den Appetit in den Gesichtern lesen. Fleisch werden die meisten hier Anwesenden eher selten auf der Speisekarte haben.

 

Emmanuel hatte an uns gedacht und extra zwei Löffel mitgebracht, für die wir recht dankbar waren. Die Wazungu sind sich halt doch manchmal zu fein…

 

Und langsam füllte sich der Raum mit dem Schmatzen der Kinder. Normalerweise wird ein Raum, in dem sich 100 Afrikaner befinden, nie komplett ruhig sein, da man entweder jemandem zuhört, oder schwätzt. Aber wenn man was zu essen hat, kann es plötzlich ganz ruhig werden. Und dann das Schmatzen… genug jetzt.

 

Die Reste der zum Teil gigantischen Portionen wurden von den Essern in Bananenblätter gewickelt und mit nach Hause genommen. Auf dem Weg zurück zum Auto begleiteten uns die Kinder, was auch mal unpraktisch sein kann, wenn man sich gerne kurz in die Büsche schlagen will…

 

Und so ging unser Besuch zu Ende. Emmanuel lud uns gleich für nächste Woche für einen weiteren ein, doch ganz können wir unsere Pflicht in der Schule auch nicht vernachlässigen und so werden wir auf weitere Termine warten.

Man lausche dem Schmatzen
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